LONDON - Der schnellste Mann der Welt fiel auf die Knie und küsste die Laufbahn. Dann erhob sich Usain Bolt, der Triumphator, und warf sich langsam, lässig und genüsslich in seine „Blitz“-Pose. Er hatte es allen gezeigt. Mit der zweitbesten Zeit der Geschichte (9,63 Sekunden) rannte der Jamaikaner erneut zur olympischen Goldmedaille über 100 Meter. 41 Schritte benötigte Bolt im Olympiastadion von London – exakt so viele wie beim Olympiasieg vor vier Jahren in Peking. Die Konkurrenz: chancenlos.
„Ich wusste, dass ich es schaffen kann. Wenn es drauf ankommt, bin ich da“, sagte Bolt, der schwach startete, um seinen vierten Olympiasieg kämpfen musste, am Ende aber ganz überlegen siegte. „Es mag nicht die beste Reaktion der Welt gewesen sein“, bekannte der 25-jährige Weltrekordler (9,58): „Ich bin ein bisschen im Startblock sitzen geblieben.“ Dann aber war er unwiderstehlich, als zweiter Läufer nach Carl Lewis (USA, 1984 und 1988) wiederholte er den Olympiasieg über die kurze Sprintdistanz.
Seinen Erfolg widmete Bolt Dr. Hans-Wilhelm Müller-Wohlfahrt in München. „Er ist der beste Arzt auf der Welt“, sagte der Superstar aus Jamaika. Gut einen Monat vor den Spielen hatte er sich wegen Rückenproblemen vom Orthopäden der deutschen Fußball-Nationalmannschaft und des FC Bayern behandeln lassen. „Ein Stück dieser Medaille geht auch nach Deutschland“, erklärte Bolt.
Beim Aufeinandertreffen der schnellsten Männer der Welt blieb Bolt eindrucksvoll der Souverän. Sein Landsmann Yohan Blake holte Silber in persönlicher Bestzeit (9,75), lag aber eben auch 0,12 Sekunden hinter Kumpel Bolt zurück. „Ich wollte Gold gewinnen, aber ich danke Gott für Silber“, sagte Blake. Justin Gatlin aus den USA rannte in 9,79 Sekunden zu Bronze.
Bei den Frauen wiederholte die Jamaikanerin Shelly-Ann Fraser-Pryce ebenfalls ihren Olympia-Sieg über 100 Meter von vor vier Jahren. Die 25-Jährige siegte am Sonnabend im Finale in London in 10,75 Sekunden mit einem starken Finish vor Weltmeisterin Carmelita Jeter aus den USA, die 10,78 Sekunden sprintete. Bronze holte sich Veronica Campbell-Brown aus Jamaika in 10,81 Sekunden.
Starke Stabhochspringer
Derweil haben alle deutschen Stabhochspringerinnen das Finale erreicht. Silke Spiegelburg, Martina Strutz und Lisa Ryzih überwanden am Sonnabend jeweils 4,55 Meter und haben an diesem Montag die Chance auf die erste deutsche Olympia-Medaille im Frauen-Stabhochsprung.
Der beinamputierte Oscar Pistorius hat unterdessen den Einzug in das 400-Meter-Finale verpasst. In 46,54 Sekunden wurde der Südafrikaner am Sonntag Letzter im zweiten Halbfinal-Lauf.
