Oldenburg - Zwei gute Nachrichten hatte der Deutsche Leichtathletik-Verband (DLV) am Mittwoch für zwei Leichtathletinnen aus Oldenburg, die erhoffte dritte blieb jedoch aus: Stabhochspringerin Friedelinde Petershofen gehört zum DLV-Aufgebot für die Weltmeisterschaften in London (4. bis 13. August). Genau wie Sprinterin Ruth Spelmeyer – die dreimalige Deutsche Meisterin über 400 Meter ist allerdings nur für die 4x400-Meter-Staffel nominiert.

„Ich weiß nicht, was ich zu der Situation sagen soll. Ich bin NICHT nominiert“, schrieb die enttäuschte Spelmeyer am Mittwoch im sozialen Netzwerk Instagram: „Weil 0,02 Sekunden fehlen, erlaubt mir der DLV nicht, in London die 400 Meter zu laufen. Ich bin traurig.“ Die 25-Jährige hatte die Norm des DLV (51,70 Sekunden) hauchdünn verpasst. Im Vorlauf der nationalen Titelkämpfe in Erfurt war sie am vergangenen Samstag 51,72 Sekunden gelaufen, im Finale holte sie sich den Titel in 51,84 Sekunden.

Petershofen hingegen überflog am Samstag sensationell die vom DLV für das WM-Ticket geforderte Höhe von 4,55 Metern – und darf nach London fliegen. „Ich bin super, super glücklich! Ich kann es kaum glauben und bin topmotiviert“, sagte Petershofen. Die 21-Jährige, die vor zwei Jahren für ihr Studium nach Potsdam gezogen und vom DSC Oldenburg zum SC Potsdam gewechselt war, hatte die WM gar nicht im Saisonplan. „Eigentlich wäre ich zu dem Zeitpunkt mit meiner Uni bei einem fünftägigen Biologiepraktikum – aber ich hoffe natürlich, dass wir das irgendwie regeln können.“

Saisonhöhepunkt war für sie eigentlich die U-23-EM im polnischen Bydgoszcz, die für die Überfliegerin an diesem Donnerstag (17 Uhr) mit dem Vorkampf beginnt. Um die Medaillen geht es dann am Samstag um 17.40 Uhr.

„Die 4,55 Meter geben mir ein gutes Gefühl“, sagte Petershofen mit Blick auf den Wettkampf: „Dennoch ist es eine internationale Meisterschaft, da muss man erstmal durch die Quali kommen.“

Der ganz große Sprung und das Einzelticket für London blieben Spelmeyer hingegen verwehrt. Auch sie steigerte ihre Jahresbestleistung in Erfurt deutlich – es fehlte ein Wimpernschlag, oder, wie Spelmeyer meinte: ein Hauch von Nichts.

Der DLV zeigt sich jedoch einmal mehr konsequent. Spelmeyer hatte gehofft, dass der deutsche Verband ein Auge zudrückt. Denn zum einen liegt die Norm des Weltverbandes IAAF nur bei 52,1 Sekunden – das ist Spelmeyer in Erfurt gleich zweimal gelaufen – und zum anderen reist die Oldenburgerin für die Staffel ja ohnehin nach England. Doch der DLV blieb hart und lässt die Deutsche Meisterin nicht starten.

„Ich wünsche mir, dass wir mit einer optimal vorbereiteten Mannschaft an den Start gehen können“, sagte Idriss Gonschinska, leitender Direktor Sport beim DLV, „und dass die Athleten ihre bisherigen Saisonbestleistungen bestätigen oder verbessern.“

Angeführt wird das 71-köpfige DLV-Aufgebot von den Speer-Assen Johannes Vetter und Thomas Röhler sowie dem Diskus-Olympiasieger von 2012, Robert Harting. Nicht dabei ist sein Bruder Christoph, der amtierende Diskus-Olympiasieger, der die Norm der IAAF um 87 Zentimeter verfehlte.

Medaillenhoffnungen ruhen auch auf Konstanze Klosterhalfen (1500 Meter), Gesa Felicitas Krause (3000 Meter Hindernis) und Pamela Dutkiewicz (110 Meter Hürden).

Mathias Freese
Mathias Freese Sportredaktion