PEKING - Leichtathletik-Trainer Werner Goldmann wird trotz der gegen ihn erhobenen Doping-Vorwürfe bei den Olympischen Spielen in Peking zur deutschen Mannschaft gehören. Die Präsidialkommission des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB) folgte am Sonntag einer Empfehlung der Unabhängigen Kommission zur Überprüfung von Trainern und Offiziellen mit Dopingvergangenheit.
Gegen Goldmann waren in einem in der vergangenen Woche ausgestrahlten ZDF-Bericht Dopingvorwürfe erhoben worden. Der ehemalige DDR-Kugelstoßer Gerd Jacobs hatte seinen ehemaligen Trainer beschuldigt, von ihm Anfang der 80er Jahre das Anabolikum Oral-Turniabol bekommen zu haben. Jacobs ist vom Bundesverwaltungsamt als Dopingopfer anerkannt.
Der Kommissionsvorsitzende Udo Steiner hat Goldmann wegen der neuerlichen Vorwürfe eingehend befragt. Der Kugelstoß- und Diskustrainer habe alle Anschuldigungen von sich gewiesen.
Derweil hat die Exekutive des Internationalen Olympischen Komitees (IOC) am Sonnabend gehandelt. Das Gremium beschloss in Peking die Disqualifikation des dopinggeständigen 400-m-Ex-Weltmeisters Antonio Pettigrew und so die Aberkennung des Olympiasieges durch die 400-m-Staffel der USA bei den Spielen von Sydney 2000.
Zuvor hatte der ehemalige Sprint-Star Marion Jones nach einem Doping-Geständnis schon dreimal Gold und zweimal Bronze abgeben müssen – doch die Neuverteilung der Plaketten gestaltet sich schwierig. Nachrückerin auf der 100-m-Strecke wäre die skandalumwitterte Griechin Ekaterini Thanou.
Die Entscheidung darüber wird nicht mehr in Peking fallen. „Wir wollen die Ermittlungen abwarten, um umfassend die Korrekturen abschließen zu können“, sagte IOC-Vizepräsident Thomas Bach, der mit seiner Disziplinarkommission zuständig ist.
Ob Thanou überhaupt bei den Sommerspielen in Peking starten darf, wird sich frühestens im Laufe der Woche entscheiden, wenn die Sprinterin und ihr Anwalt zur Anhörung vor die Bach-Kommission geladen sind.
Thanou muss nicht persönlich erscheinen. Sie hatte sich vor den Spielen 2004 einer Dopingkontrolle entzogen und danach ihre Akkreditierung zurückgegeben. Deshalb kann die Untersuchung erst wieder aufgenommen werden, wenn sich die Griechin unter IOC-Hoheit begibt. Dies wäre mit Betreten des Athletendorfes der Fall.
