Berlin - Der dreifache Diskuswurf-Weltmeister Robert Harting will nicht mit dem früheren Dopingsünder Justin Gatlin auf einer Kandidatenliste stehen und hat sich deshalb mit dem Leichtathletik-Weltverband IAAF angelegt. Der 29-jährige Berliner meldete sich selbst von der Wahl zum „Welt-Leichtathleten des Jahres“ ab.

„Als ich die Liste sah, sagte ich zu mir, da hast du alles mit tiefster harter Ehrlichkeit getan. Und das internationale Gremium kann nicht einmal Athleten, die sich bewusst für den Betrug entschieden haben, ausgrenzen. Deine Werte sind völlig egal!“, erklärte Harting am Sonntag. IAAF-Spitzenfunktionär Helmut Digel äußerte Verständnis für Hartings Entscheidung. Tags zuvor hatte der Olympiasieger erklärt: „Ich bitte die IAAF, mich von der Liste zu streichen. Zwar finde ich die Nominierung als solche toll. Dennoch stehe ich zusammen mit einem ehemaligen Dopingsünder zur Wahl – und das ist für mich der Grund auf den Verzicht.“

Ohnehin glaubt Harting: „Ich kann und darf gar nicht gewinnen. Die Marke Robert Harting stört das Verbands-Gen. Ich glaube zu fühlen, dass Deutschland sehr kritisch ist, was moralische Bewertungen angeht.“ Die IAAF sei von Deutschland und seiner Haltung genervt. „Sicherlich sollten wir nicht ständig alles kritisch hinterfragen. Dennoch haben andere Länder nicht begriffen, worum es geht“, sagte der Diskus-Riese: „Andere Länder beugen sich nicht der Moral, sondern nur der Flagge.“

Auf der Wahlliste des Weltverbandes steht auch US-Sprinter Gatlin, der von 2006 bis 2010 wegen Dopings gesperrt war. Das empfindet Harting als Brüskierung, er sieht „nicht nur mich, sondern auch meine Fans beleidigt“. Die IAAF sollte auch „Ehrlichkeit in ihr Bewertungsschema aufnehmen“. Er selbst, meinte Harting, habe alles mit „tiefster Ehrlichkeit“ getan.