Düsseldorf - Die Enthüllungen über Betrug, Doping und Korruption im russischen Spitzensport überschatten den Reformkongress des Internationalen Olympischen Komitees (IOC) in Monte Carlo. Statt am Wochenende ein Zeichen des Aufbruchs zu setzen, sieht sich das IOC auch mit dem Skandal in Russland konfrontiert. IOC-Präsident Thomas Bach bezeichnete die Vorwürfe am Donnerstagabend als „ernsthafte Anschuldigungen“ und kündigte ein konsequentes Durchgreifen an. „Wenn als Ergebnis der Untersuchungen jemand ein Doping-Vergehen begangen hat, wird das IOC handeln“, sagte der 60-Jährige.
Auch der Leichtathletik-Weltverband (IAAF), der seit Ausstrahlung der ARD-Doku „Geheimsache Doping – Wie Russland seine Sieger macht“ besonders im Blickpunkt steht, kündigte Untersuchungen an. Immerhin belegen Videoaufzeichnungen die Verstrickung von Cheftrainer Alexej Melnikow in Doping oder ein heimlicher Handymitschnitt, wie die 800-Meter-Olympiasiegerin von 2012, Marija Sawinowa, ihre Einnahme von verbotenen anabolen Mitteln erklärt. „Die Doping-Doku der ARD war schockierend! Wir können nur mit gutem Beispiel vorangehen und sauberen Sport weiterbetreiben“, twitterte Stabhochsprung-Weltmeister Raphael Holzdeppe.
„Wie das ARD-Fernsehen zeigte, sind bei der Ethik-Kommission der IAAF bereits Untersuchungen zu Problemen des Dopings in der russischen Leichtathletik im Gange“, hieß es im Statement des Weltverbandes, der sich offiziell jedoch weiteren Bewertungen enthielt. Nach Angaben der IAAF sind zurzeit 68 russische Leichtathleten wegen Dopings gesperrt. Die Welt-Anti-Doping-Agentur (WADA) hat nach Aussage ihres Präsidenten Craig Reedie sämtliche Informationen an die IAAF-Ethikhüter weitergeleitet.
Die russische Anti-Doping-Agentur Rusada reagierte defensiv und zurückhaltend auf die ARD-Doku. „Es gibt keine Tatsachen und keine Originaldokumente, die einen Verstoß gegen Anti-Doping-Regeln belegen“, sagte Rusada-Exekutivdirektor Nikita Kamajew am Donnerstag. Bis die Rusada eine offizielle Anfrage bekommt, „meinen wir, dass jegliche Spekulationen oder jegliche Erklärungen unbewiesen sind“, betonte Kamajew.
IAAF-Councilmitglied Helmut Digel sagte: „Vorverurteilungen machen im Moment keinen Sinn. Wir müssen belastbare Verfahren haben.“
