Lille - Mit viel Frauenpower haben die deutschen Leichtathleten zum dritten Mal die Team-EM gewonnen. Sechs Wochen vor der WM in London taugte die Talentschau von Lille allerdings nicht als internationaler Maßstab. Fünf Einzelsiegen der DLV-Sportlerinnen standen die Erfolge von Dreispringer Max Heß und Diskus-Routinier Robert Harting gegenüber.
Auch Ruth Spelmeyer vom VfL Oldenburg reihte sich mit der 4x400-Meter-Staffel in die guten Leistungen ein. Zusammen mit Laura Müller, Nadine Gonska und Hannah Mergenthaler kam Spelmeyer in 3:28,47 Minuten als Dritte hinter Polen (3:27,60) und der Ukraine (3:28,02) ins Ziel. Oldenburgs Sportlerin des Jahres ging als Fünfte auf die Schlussrunde sowie die letzte Gerade, schaffte es aber mit einem beherzten Schlusssprint noch an Großbritannien und Frankreich vorbei.
„Das war ganz cool“, sagte indes Harting nach seinen 66,30 Metern. Damit bezwang er im letzten Durchgang noch den Polen Robert Urbanek (66,25). „Schön war der Wurf nicht, eher grob“, bilanzierte der 32-jährige Berliner.
Der Deutsche Leichtathletik-Verband sammelte insgesamt 321,5 Punkte und setzte sich vor Polen (295) und Frankreich (270) durch – der dritte Gesamtsieg nach 2009 und 2014. Die Russen fehlten wegen des Banns nach dem Dopingskandal.
Speerwurf-Olympiasieger Thomas Röhler kam mit 84,22 Metern nur auf Rang drei. „Ich habe drei Würfe mitten in eine Böe hineingeschossen. Da kann man nichts machen“, meinte der 25-Jährige.
Für erste Plätze sorgten dafür am Samstag die 4x100-Meter-Staffel mit Lara Matheis, Gina Lückenkemper, Alexan-dra Burghardt und Rebekka Haase (42,47 Sekunden) sowie Hindernisläuferin Gesa Felicitas Krause. Am Sonntag gewann Pamela Dutkiewicz die 100 Meter Hürden in 12,75 Sekunden und Konstanze Klosterhalfen die 1500 Meter in 4:09,57 Minuten. „Ich habe mich am Anfang zurückgehalten. Es hat mich sehr gefreut, dass diese Taktik aufgegangen ist“, sagte das 20-jährige Lauftalent aus Leverkusen. Zudem freute sich Siebenkampf-Spezialistin Claudia Salman-Rath über ihren erfolgreichen Ausflug zum Weitsprung: An die 6,66 Meter kam keine heran.
Über 3000 Meter Hindernis rannte Europameisterin Krause vornweg und kam nach 9:27,02 Minuten weit vor der Konkurrenz ins Ziel. „Ich hatte mir das vorgenommen: Es ist immer einfacher, wenn man freie Sicht hat“, sagte die 24-Jährige.
Der frühere WM-Dritte Rico Freimuth (SV Halle) hat indes das Mehrkampf-Meeting in Ratingen gewonnen. Mit der Weltjahresbestleistung von 8663 Punkten siegte der Zehnkämpfer am Sonntag. Den dritten Platz und die Fahrkarte zur WM nach London sicherte sich Kai Kazmirek mit 8478 Punkten.
Im Siebenkampf siegte die Olympia-Fünfte Carolin Schäfer. Mit 6667 Punkten verwies sie die Niederländerin Nadine Visser (6183) auf Platz zwei.
Beim Meeting in Hof sicherte sich derweil Stabhochsprung-Ass Raphael Holzdeppe mit einem Satz über 5,80 Meter das Ticket für London. Der 27-Jährige teilte sich den Sieg mit Michal Balner aus Tschechien und Pawel Wojciechowski aus Polen.
