Zürich/Oldenburg - Dass sie abwarten und im richtigen Moment den Turbo zünden kann, hat Ruth Spelmeyer bereits im Juni bewiesen: Bei der Team-EM in Braunschweig legte die Sprinterin des VfL Oldenburg als Schlussläuferin auf der Zielgeraden einen fulminanten Spurt hin und sicherte der deutschen 4x400-Meter-Staffel den zweiten Platz.

Auch bei der seit Dienstag stattfindenden Leichtathletik-EM in Zürich muss sich die 23-Jährige lange zurückhalten: Sie ist bereits seit Sonnabend vor Ort, doch sie startet mit der 4x400-Meter-Staffel der Frauen erst am Schlusswochenende – die Vorläufe sind an diesem Sonnabend (16.20 Uhr/ARD) angesetzt.

Klares Ziel für das Team um Spelmeyer im Stadion Letzigrund ist das Erreichen des Endlaufs an diesem Sonntag (15.22 Uhr/ZDF). Und das ist ein durchaus realistisches Ziel: Mit ihrer bei der Team-EM gelaufenen Zeit von 3:28,34 Minuten stehen Esther Cremer (Wattenscheid), Lara Hoffmann, Lena Schmidt (beide Köln) und Spelmeyer, die alle in Zürich dabei sind, in der europäischen Bestenliste auf Rang sechs. „Wir wollen ins Finale. Wir wollen das wiederholen, was wir in Braunschweig gezeigt haben. Wenn wir so laufen, vielleicht etwas schneller, dann packen wir das auch“, sagt Spelmeyer.

Die Team-EM haben jedoch nicht alle Nationen mit ihren besten Athleten bestritten. Zum Vergleich: Bei der EM 2012 war die Staffel des deutschen Leichtathletik-Verbandes (DLV) etwa eine halbe Sekunde schneller und belegte damit Rang fünf. Vor zwei Jahren war aus der Braunschweig-Staffel nur Cremer dabei, außerdem Janin Lindenberg (Magdeburg), die den Zürich-Kader komplettiert.

Am Sonnabend muss Spelmeyer vermutlich auf die Unterstützung ihrer Freunde und Familie verzichten. „Es wird wohl niemand kommen. Aber das ist nicht schlimm, es waren in Braunschweig ja schon alle dabei“, sagt sie.

Nichtsdestotrotz ist die Oldenburgerin von ihrer Form überzeugt. Sie hatte auch mit dem Einzelwettbewerb geliebäugelt. „Ich wollte zumindest die 2. A-Norm von 52,20 Sekunden laufen. Das hätte in Ulm auch geklappt, wenn es nicht so geregnet hätte“, ärgert sich die deutsche Vizemeisterin ein wenig, dass sie ihre Saisonbestleistung (52,69) auch bei den nationalen Titelkämpfen im Juli nicht mehr verbessern konnte.

Somit stand die deutsche Meisterin Cremer in Zürich als einzige DLV-Athletin im Einzelwettbewerb über 400 Meter. Nach starken 51,98 Sekunden im Vorlauf lief sie jedoch im Halbfinale deutlich langsamer (52,83) und verpasste den Endlauf.

Spelmeyer musste in diesem Jahr noch zuschauen. „Im nächsten und übernächsten Jahr ist die Einzelnorm auf jeden Fall das Ziel“, sagt die 23-Jährige. Das würde dann Starts bei der WM 2015 in Peking und bei den Olympischen Spielen 2016 in Rio de Janeiro bedeuten.

Mathias Freese
Mathias Freese Sportredaktion