Hamburg/Ulm - Über Ulm mit Rückenwind nach Zürich: Die deutschen Leichtathletik-Stars wollen sich am Wochenende bei ihrem nationalen Showdown den letzten Schliff für die Europameisterschaften in der Schweiz (12. bis 17. August) holen. Während Diskus-Riese Robert Harting und Kugel-Koloss David Storl längst in Gold-Form sind, geht es für die Oldenburgerin Ruth Spelmeyer vor allem um einen Platz in der EM-Staffel.

Für Harting und Storl sind die deutschen Meisterschaften nur eine Durchgangsstation. Während Storl bei dem erstmals aus dem Hauptprogramm der Titelkämpfe ausgelagerten Kugel-Wettbewerb vor dem Ulmer Münster am Freitagabend den ersten 22-Meter-Stoß seiner Karriere anpeilt, will auch Harting seine Favoritenstellung für Zürich untermauern.

Neben dem Auftritt der starken Männer erwarten die Fans mit besonderer Spannung den des unterschenkelamputierten Markus Rehm. Der Leverkusener Paralympics-Star nimmt als erster Athlet mit Handicap bei den Meisterschaften der Nicht-Behinderten teil. „Markus Rehm ist ein Leuchtturm für Menschen mit Behinderungen“, sagte Clemens Prokop, der Präsident des Deutschen Leichtathletik-Verbandes (DLV).

Doch der Start des 25-Jährigen, der mit 7,95 Meter den Weltrekord seiner Klasse hält, ist auch ein Politikum. „Noch können wir die Frage nicht abschließend klären, ob Markus durch seine Prothese einen Vorteil hat“, sagte Prokop. In Ulm startet Rehm unter Vorbehalt. Biomechaniker werden während des Wettkampfes Daten erheben, um zu analysieren, ob seine Leistung mit denen der anderen Springer wie den beiden letzten Europameistern Christian Reif (2010) und Sebastian Bayer (2012) zu vergleichen ist.

93 Athleten haben bereits die Norm für die EM erfüllt. „Wir sind in der Breite so gut aufgestellt wie seit Jahren nicht mehr, der Trend der Vorwärtsbewegung hat sich in dieser Saison fortgesetzt. Auch im Laufbereich haben wir aufstrebende Talente, die ins Rampenlicht drängen“, sagte Prokop.

Auch Ruth Spelmeyer vom VfL Oldenburg will über Ulm nach Zürich. Sie tritt als Zweitschnellste des Jahres über die 400 Meter an. „Ich will Bestzeit laufen und meine Position verteidigen, um in Zürich mit der Staffel dabei zu sein“, sagt die Sprinterin. Für die Einzelnorm von 51,90 Sekunden müsste Spelmeyer ihre persönliche Bestmarke (52,63) deutlich steigern.

Prokop hofft für Zürich auf ordentlich Edelmetall: „Wir wollen unter den Top-Drei des Medaillenspiegels landen. Und ich denke, wir können guter Dinge sein.“ Vor zwei Jahren in Helsinki holten die DLV-Athleten sechsmal Gold und insgesamt 16 Medaillen.

Mathias Freese
Mathias Freese Sportredaktion