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Olympia 2020 Tokios Kampf gegen die Hitze

Nikolaj Stobbe

Tokio/Berlin - Der Test mit der Schneekanone ging schon mal gründlich daneben. Statt weicher Flocken flogen Eissplitter auf die Besucher an der Kanu-Strecke nieder. Der missglückte Einsatz von künstlichem Schnee beim Testevent am Sea Forest Waterway zählt zu den vielen Maßnahmen, mit denen die Olympia-Macher von Tokio 2020 den größten Feind ihrer Spiele besiegen wollen: die immens große Hitze.

„Wir versuchen alles, um die Hitzerisiken zu minimieren“, erklärte Taka Okamura von Tokio 2020. Wassersprüher kamen schon zum Einsatz, klimatisierte Zelte wurden aufgestellt, Faltfächer und Handtücher wurden an Testpersonen verteilt, aber so richtig überzeugen konnte im Hightech-Land Japan bislang nichts.

Im Gegenteil. Führende Mediziner des Landes verstehen nicht, warum die Spiele für die Zeit vom 24. Juli bis 9. August 2020 an Tokio vergeben worden sind. „Meine Meinung ist, dass Sportveranstaltungen in einer angenehmen Umgebung stattfinden müssen“, sagte Kimiyuki Nagashima, Vorstandsmitglied des japanischen Mediziner-Verbandes.

Hitzschlag im Testrennen

Der heiße Sommer in Tokio sei aber, so Nagashima weiter, „nicht für Outdoor-Sportarten geeignet, auch nicht für deren Zuschauer“, betonte der Orthopäde. Vor allem die Gefahr vor einem Hitzschlag sei in der Zeit von Olympia besonders groß, erklärte der Mediziner.

In der Ausschreibung für die Vergabe der Olympischen Spiele habe zwar gestanden, dass Tokio während der Wettkämpfe „ein ideales Klima für Sportler anbietet“, davon könne aber nicht die Rede sein. Bei Olympia würden viele Wettkämpfe bei Bedingungen stattfinden, die nach dem international anerkannten WBGT-Index zur Messung von Hitze und Luftfeuchtigkeit als „gefährlich“ eingestuft werden, sagt Nagashima. Kein Wunder, dass beispielsweise die Marathon-Rennen um 6 Uhr morgens beginnen.

Auch die Triathleten und Schwimmer wünschen sich eine so frühe Startzeit. Diese konnten im August bei Testwettkämpfen, die exakt ein Jahr vor den olympischen Wettbewerben ausgetragen wurden, schon einmal Anlagen und Bedingungen testen. Dabei war im Triathlon der Frauen der Laufpart von zehn auf fünf Kilometer verkürzt worden – wegen der Hitze. Und selbst das schützte vor Zwischenfällen nicht: Die Französin Cassandre Beaugrand musste nach dem Zieleinlauf mit Verdacht auf Hitzeschlag ins Krankenhaus gebracht werden. Das Rennen war um 7.30 Uhr gestartet worden – bei 30 Grad.

Spiele 1964 verlegt

Wenige Tage zuvor hatten bereits die Freiwasserschwimmer beklagt, dass die Wassertemperatur bei einem Fünf-Kilometer-Testrennen im Odaiba Marine Park zu hoch gewesen sei. Dort schwimmen auch die Triathleten. Sowohl der Triathlon- Weltverband ITU als auch der Schwimm-Weltverband Fina erwägen deshalb auch für Olympia 2020 eine Vorverlegung in die noch früheren Morgenstunden.

Offenbar will man auch nicht aus der Vergangenheit lernen. Die ersten Olympischen Spiele 1964 in Tokio wurden damals wegen der Hitze extra in den Oktober verlegt. Dennoch war die Hitze vor 55 Jahren immer noch das größte Negativ-Thema, während die Spiele ansonsten viel Lob einheimsten.

Wie groß Tokios Einsatz im Kampf gegen die Hitze ist, brachte Sebastian Coe auf den Punkt. Der zweimalige Olympiasieger und heutige Präsident des Internationalen Leichtathletik Verbandes (IAAF) machte vor dem Start der ersten Wüsten-WM der Leichtathleten Ende des Monats eine bemerkenswerte Beobachtung. „In Tokio“, sagte Coe, „werden die Bemühungen im Kampf gegen die Hitze größer sein als in Doha“.

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