Rio De Janeiro - Die Stars schwächeln, die positiven Überraschungen bleiben fast komplett aus: Nach den Schwimmern bahnt sich auch bei den Leichtathleten eine herbe Pleite für das deutsche Team an. Bei den Sommerspielen in Rio reiht sich auch in der zweiten olympischen Kernsportart eine Enttäuschung an die andere.

Bis zum Freitag gab es lediglich zwei Podestplätze: Gold und Bronze durch die Diskuswerfer Christoph Harting und Daniel Jasinksi. Die acht Medaillen von London? Nicht mehr zu erreichen.

Der Hauptgrund: Ausgerechnet in den sonst so medaillenträchtigen Disziplinen geht der Deutsche Leichtathletik-Verband (DLV) überraschend leer aus. Am Donnerstagabend setzte der zweimalige Kugelstoß-Weltmeister David Storl mit Platz sieben die Pleitenserie fort. „Eine einzige Katastrophe“, wie Storl anschließend befand. Auch die hochgehandelten Speerwerferinnen erlebten einen Wettkampf zum Vergessen.

Christina Obergföll war nach ihrem letzten Olympia-Auftritt dennoch mit sich im Reinen. „Ich habe meinen Seelenfrieden, weil ich beste Deutsche bin“, sagte die ehemalige Weltmeisterin: „Ich muss mich nicht rechtfertigen.“ Das Nominierungs-Hickhack bei den deutschen Speerwerferinnen, das wurde deutlich, hatte Spuren hinterlassen. Seelisch wie sportlich.

Das Ergebnis: Obergföll, die nach der Saison zurücktritt, wurde Achte mit 62,92 Metern. Die EM-Zweite Linda Stahl – auch sie beendet ihre Karriere in wenigen Wochen – kam nur auf 59,71 Meter und Platz elf. Die deutsche Meisterin Christin Hussong war mit 57,70 Metern sogar noch einen Platz dahinter. Erstmals seit 16 Jahren gingen deutsche Speerwerferinnen bei Olympia komplett leer aus.

„Die ganzen Diskussionen waren sicherlich nicht leistungsfördernd“, sagte Obergföll. Weltmeisterin Katharina Molitor hatte mit einer einstweiligen Verfügung versucht, sich den Olympiastart zu erstreiten. Bei der EM war sie Vierte, bei der DM als Zweite vor Obergföll (Rang vier) platziert gewesen. Die bessere Saisonweite sprach aber für Obergföll. „Es war das ganze letzte Jahr eine enorme Anspannung wegen der Nominierung“, sagte Stahl: „Irgendwie war jetzt die Luft raus, weil wir bei der EM schon so hochfahren mussten.“

Während Molitor zu Hause blieb, bekam Obergföll einen Abschied auf der großen Bühne. Zu einer weiteren Medaille fehlten allerdings fast zwei Meter. „Es ist ein weinendes Auge dabei“, sagte die 34-Jährige. Vor vier Jahren holte sie Silber, in Peking 2008 rettete sie den DLV vor einer Totalblamage, als sie mit Bronze die einzige Olympiamedaille der Leichtathleten gewann.