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NWZonline.de Sport Leichtathletik

Westersteder Weitspringer erlebte Befreiung nicht mehr

24.01.2020

Westerstede Am kommenden Montag, 27. Januar, jährt sich zum 75. Mal die Befreiung des Konzentrationslagers Auschwitz. Der jüdische Leichtathlet Alfred Arend Polak aus Westerstede erlebte dies nicht mehr. Er war wenige Monate zuvor, im Herbst 1944, in Auschwitz ermordet worden.

Polak war der erfolgreichste Westersteder Sportler in den 1930er-Jahren. Zusammen mit seinem Bruder Felix war er aktiv im TV Jahn Westerstede, der von ihrem Vater Karl Polak mitgegründet worden war. In den 1920er- und noch Anfang der 1930er-Jahre waren etwa 25 Prozent der Westersteder Juden in einem der Westersteder Turn- und Sportvereine engagiert – als Sportler, Übungsleiter und auch in der Vorstandsarbeit. Sie waren Mitglieder wie jeder andere auch. Ihre jüdische Konfession hatte noch keine Bedeutung. Sie waren Deutsche und Sportler und erst dann Juden. All‘ das änderte sich mit dem 30. Januar 1933.

Im gesamten Reichsgebiet wurden die jüdischen Mitglieder bereits in den ersten Wochen und Monaten nach der nationalsozialistischen Machtübernahme in vorauseilendem Gehorsam aus ihren Verein hinausgeworfen. Das geschah aus Eigeninitiative der Vereine und ihrer Verbände. Eine Anordnung der neuen Machthaber, die jüdischen Vereinsmitglieder auszuschließen, gab es nicht.

Wann die jüdischen Sportler aus den Westersteder Vereinen ausgeschlossen wurden, ist nicht bekannt. Dass aber in dem alten Protokollbuch der heutigen TSG Westerstede alle Protokolle der Vorstandssitzungen und der Mitgliederversammlungen nach dem 30. Januar 1933 bis zum 8. Mai 1945 säuberlich mit der Rasierklinge herausgetrennt wurden mit dem Vermerk „Diese Protokolle wurden nachträglich entsorgt“, spricht Bände. Offensichtlich waren die Verantwortlichen der TSG nach der Befreiung von dem braunen Terrorregime sehr bemüht, die jüngste Geschichte ihres Vereins im Dunkeln zu lassen.

Alfred Polak wurde am 10. Oktober 1909 in Westerstede geboren. Bereits als Jugendlicher war er ein guter Leichtathlet. Vor allem seine Leistungen im Weitsprung fanden reichsweite Anerkennung, so dass er für den großen Vergleichswettkampf zwischen den jüdischen Sportlern des Makkabi-Verbandes und des Sportbundes Schild im Juni 1935 in Berlin nominiert wurde. Polak gewann den Weitsprungwettbewerb mit 6,30 Metern. In dem umfangreichen Bericht über diesen Vergleichswettkampf findet sich auch ein Porträtfoto von Alfred Polak, unterschrieben mit „Alfred Polak – Westerstede. Sieger im Weitsprung“.

Nach seinem Abitur 1929 an der Oberrealschule in Oldenburg studierte Polak Medizin an den Universitäten Berlin und Heidelberg. In seiner Heidelberger Zeit schloss er sich dem jüdischen Verein Schild Frankfurt an und nahm mehrfach an den jüdischen Reichsmeisterschaften teil. Sein Studium konnte er nicht beenden. Als „mittelloser Emigrant“ hielt er sich im Herbst 1936 in Paris auf. In seine Heimat nach Westerstede wollte er nicht zurückkehren, zumal sein Bruder, der das väterliche Geschäft übernommen hatte, in Anbetracht der Diskriminierungen und Verfolgungen seine Flucht vorbereitete. „Um den Faschismus aktiv zu bekämpfen“, schloss er sich den Internationalen Brigaden an und kämpfte in Spanien gegen die Faschisten. Nach der erfolgreichen Flucht aus einem Internierungslager nach dem Sieg des Putschisten-Generals Franco kämpfte er als Freiwilliger in der französischen Armee gegen die Nazis. Er wurde in Frankreich erneut interniert. Im Juli 1943 deportierten ihn die Nazis ins KZ Auschwitz und dort wurde er im Herbst 1944 (ein genaues Datum ist nicht zu ermitteln, es muss aber nach September 1944 gewesen sein) im Alter von 34 oder 35 Jahren ermordet.

Seinen beiden Brüdern Erich und Felix Polak gelang im November 1937 die Flucht nach Uruguay. Vater Karl Polak verstarb am 27. Oktober 1933 in Westerstede. Auch den vier anderen jüdischen Sportlerinnen und Sportlern aus Westerstede gelang rechtzeitig die Flucht aus Nazi-Deutschland. Käthe und Lieselotte Lindenberg flohen in die USA, Max Hoffmann über die Niederlande ebenfalls in die USA. Julius Hoffmann gelang noch im Januar 1939 die Flucht in die Niederlande. Er starb dort aber am 27. August 1939 infolge der zuvor erlittenen Misshandlungen.

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