WILHELMSHAVEN - Der Aufschwung auf dem Arbeitsmarkt hält an. Dennoch gibt es Menschen, die davon nicht profitieren. Jugendliche etwa, die aus vielfältigen Gründen noch nicht reif für den ersten Arbeitsmarkt sind. Sie könnten 2012 zu den Verlierern gehören, wenn aufgrund der geringen Arbeitslosenzahlen Kürzungen von Fördermitteln beschlossen würden. Was das für das Netzwerk der Jugendberufshilfe in Wilhelmshaven bedeuten würde, stellte Peter Siefken, Leiter der Jugendwerkstätten, beim Informationsbesuch der Niedersächsischen Sozialministerin Aygül Özkan klar: „Dann wäre die Jugendberufshilfe tot.“
Schwierige Arbeit
Dass dies nicht geschehen darf, darin waren sich alle Anwesenden in den Räumen der Gesellschaft für Arbeitsvermittlung und Qualifizierungsförderung (GAQ) einig. MdL Dr. Uwe Biester (CDU) hatte die Ministerin zu einem Besuch nach Wilhelmshaven eingeladen. Bürgermeister Fritz Langen, Helmuth Möhle und Ursula Biester, beide CDU-Mitglieder im Sozialausschuss der Stadt, sowie MdB Hans-Werner Kammer informierten sich zusammen mit Özkan über die Arbeit des Netzwerkes.
Volker Osterkamp (Geschäftsführer GAQ), Petra Heiler-Klene (Leiterin Pro-Aktiv-Center) und Peter Siefken berichteten von ihrer oftmals schwierigen Arbeit mit benachteiligten Jugendlichen. Viele von ihnen, die durch GAQ, Pro-Aktiv-Center oder die Jugendwerkstätten betreut würden, seien nicht mehr schulpflichtig. Durch vielfältige Benachteiligungen seien sie ohne weitere Qualifizierung aber nicht in Arbeit oder Ausbildung zu vermitteln.
„Diesen Jugendlichen mangelt es häufig an psychischer und physischer Leistungsfähigkeit. Auch an geregelte Alltagsstrukturen müssen wir viele erst wieder gewöhnen“, berichtet Heiler-Klene, „erst dann ist daran zu denken, sie in den ersten Arbeitsmarkt zu vermitteln.“
Ministerin Özkan schaltete sich während der zwei Stunden immer wieder mit Nachfragen in die Vorträge ein. So erfuhr sie, dass im Pro-Aktiv-Center nur eineinhalb Mitarbeiter für die Einzelfallbetreuung von circa 260 Personen zur Verfügung stehen.
Die Zukunft des Netzwerkes ist zudem massiv gefährdet, sollten 2012 Sparmaßnahmen bei den Fördermitteln seitens des Bundes beschlossen werden. Zumal auch die Mittel des Europäischen Sozialfonds für Deutschland an eine entsprechende Kofinanzierung gebunden sind.
Weg in die Ausbildung
Ein Argument gegen Einrichtungen wie die GAQ, das öfters vorgebracht werde, ist, dass Jugendliche gleich fit für die Arbeitswelt gemacht werden sollen. „In der Praxis zeigt sich aber, dass dies oftmals gar nicht möglich ist“, so Osterkamp.
Immerhin: 60 Prozent der jungen Erwachsenen können anschließend weiterführende Qualifikationsmaßnahmen besuchen und im besten Fall eine Ausbildung beginnen. „Ihre Arbeit mit den Jugendlichen ist ein Marathon und kein Sprint“, fasste Özkan die Notwendigkeit des Netzwerkes zusammen.
