Lemwerder - Vier Bürger waren am Donnerstagabend in den Ratssaal gekommen, um die Diskussion über die Baumfällarbeiten am Bahndamm an der Deichstraße zu hören (die NWZ berichtete). Die Fraktion von Bündnis 90/Die Grünen hatte einen entsprechenden Antrag gestellt. Zur Sprache kam das Thema aber nur kurz. Weil die vorgeschriebene Vorlauffrist von zwei Wochen nicht eingehalten wurde, könne man den Antrag nicht behandeln, argumentierte Bürgermeister Hans-Joachim Beckmann. Eine besondere Dringlichkeit konnte er nicht erkennen. „Das Thema wird seit dem Frühjahr beraten. Mit der Maßnahme wurde im Herbst begonnen und die Stelle bei einer Bereisung besucht. Es liegen seitdem keine neuen Erkenntnisse vor – der Antrag ist daher aus meiner Sicht abzulehnen.“ Dem widersprach Brigitta Rosenow (Bündnis 90/Die Grünen). „Uns ist jetzt erst zu Ohren gekommen, dass so viele Bäume abgeholzt werden. Die Arbeiten gehen sehr schnell voran. Wenn jetzt kein Baustopp verhängt wird, sind alle Bäume in der nächsten Woche weg“, sagte sie.
Eine Zwei-Drittel-Mehrheit im Rat wäre nötig gewesen, um das Thema trotz der kurzfristigen Eingabe auf die Tagesordnung zu setzen. Bei der Abstimmung fanden sich jedoch nur drei Stimmen dafür, zwei von den Grünen und eine von Heinz Feja (SPD).
Kritik zum Verhalten der Ratsmitglieder kam am Freitag von Hartmut Drebing, Vorsitzender des Nabu-Ortsvereins Stedingen. „Für mich als Bürger war es meine erste öffentliche Gemeinderatssitzung im Leben. Und sie hat für mich mal gerade zehn Minuten gedauert und alle Vorurteile eindrucksvoll bestätigt. Nach zehn Minuten war durch eine Abstimmung per Handzeichen klar, dass 21 von 24 der Gemeinderatsmitglieder nicht mehr darüber diskutieren und abwägen möchten, ob bestimmte Bäume im Rahmen einer laufenden Rodungsmaßnahme in der Gemeinde Lemwerder noch vor dem Tod gerettet werden sollten“, erklärte er.
Für den heutigen Sonnabend, 15. Dezember, haben die Grünen und Anwohner der Deichstraße eine Demonstration gegen die Fällaktion geplant. Treffpunkt ist um 14 Uhr am Bahnübergang Damaschkeweg.
