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NWZonline.de Region Wesermarsch Gemeinden Lemwerder

Einbruch In Der Wesermarsch: Dieb zockt mit geklauter Playstation im Internet

15.04.2016

Lemwerder Als Einbrecher den Wiesmanns (Name geändert) vor vier Wochen das gesamte Haus leerräumen, bricht für die junge Familie aus Lemwerder (Wesermarsch) eine Welt zusammen. Die Haustüre steht offen, als die hochschwangere Tanja Wiesmann am Morgen zurück nach Hause kommt. Sie hat gerade ihre vierjährige Tochter zum Kindergarten gebracht. Und jetzt das: Schränke und Türen stehen offen, alles ist durchwühlt.

Der Flachbildfernseher ist von der Wand gerissen, Computer, Handys, Schmuck und ein teures Küchengerät sind verschwunden. „Und eine Playstation“, sagt Tanja Wiesmann. Dass die rund 400 Euro teure Spielkonsole die Hauptdarstellerin in dem Drama der kommenden vier Wochen sein würde, weiß Wiesmann noch nicht.

Die Polizei nimmt den Fall auf. Von den Tätern gibt es keine Spur. Zwei Wochen gehen ins Land, als plötzlich ein Freund der Wiesmanns anruft. Jemand habe sich mit Karsten Wiesmanns Playstation im Internet angemeldet. Der Familienvater staunt nicht schlecht. Er ruft beim Hersteller an und fragt, ob man denjenigen, der da mit seinem gestohlenen Gerät im Internet spielt, zurückverfolgen kann. Man kann, teilt der Hersteller mit. Auskunft dürfe man jedoch nur der Polizei geben. Also rufen die Wiesmanns bei der Wache in Brake (Wesermarsch) an. Dort verspricht man sich, zu kümmern.

Eine Woche später meldet sich ein Beamter. Er fragt nach Details zum gestohlenen Gerät. Wieder eine Woche vergeht, bis sich der nächste Polizist meldet. Er möchte jetzt etwas über den gestohlenen Schmuck erfahren. Von der Playstation-Sache wisse er nichts, würde aber mal in der Wache fragen ob da etwas bearbeitet wird, habe er Tanja Wiesmann gesagt. „Er wäre in der Materie nicht so drin, im Internet und so“, erinnert sich Wiesmann an die Aussage des Polizisten.

Als man Wiesmann schließlich vom zuständigen Sachbearbeiter habe ausrichten lassen, dass man Besseres zu tun habe, als Zeit in Warteschleifen vom Gerätehersteller zu verbringen und deswegen noch nichts erreicht habe, glaubt die Frau an einen schlechten Scherz. Man verspricht ihr, dass sich jetzt aber ein Kollege „dahinterklemme“. Also wieder warten.

Währenddessen beobachten die Wiesmanns, wie der mutmaßliche Dieb mit der gestohlenen Playstation ungestört im Internet spielt. Als er auch noch anfängt, mit dem Gerät im Internet einzukaufen, ruft Tanja Wiesmann wieder bei der Polizei an. Erneut habe man ihr nur geantwortet, dass man niemanden beim Gerätehersteller erreicht habe und „keine Lust“ habe, Zeit in der Warteschleife zu verbringen. Jetzt reicht es Wiesmann, sie meldet sich bei der NWZ .

Auf den Fall angesprochen, räumt Knut Matthiesen, Leiter des Kriminal- und Ermittlungsdienst Brake ein, dass so ein Vorgehen für die Polizei „nicht üblich“ sei. Es sei tatsächlich etwas Zeit vergangen, bis man sich gekümmert habe. „Am Dienstag haben wir die Staatsanwaltschaft eingeschaltet“, sagt Matthiesen.

Aber warum hat die Polizei die Spur nicht sofort verfolgt? Matthiesen seufzt. „Wir haben uns davon nicht viel versprochen.“ Man müsse bei der Staatsanwaltschaft einen Antrag auf Herausgabe der Internet-Daten stellen. Der würde dann zum Hersteller geschickt. Bis zur Rückmeldung und Genehmigung seien erfahrungsgemäß drei, manchmal gar vier Wochen vergangen. Dann darf der lokale Internetanbieter, der sogenannte Provider, die Adresse herausgeben, von der sich die Täter mit der Playstation ins Internet eingeloggt haben. Natürlich wieder auf Antrag der Staatsanwaltschaft. „Eine Adresse bekommen wir dann aber in der Regel nicht. Der Provider speichert Daten nämlich nur für zehn Tage.“

Matthiesen ist frustriert. In einigen Fällen seien die Ermittlungen der Polizei deswegen bereits ins Leere gelaufen. „Die Anforderungen für die Herausgabe von Daten müsse herabgesetzt, die Speicherfristen bei den Providern gleichzeitig raufgesetzt werden“, sagt der Ermittler. Mit der derzeitigen Situation sei man „nicht sonderlich glücklich“.

Die Wiesmanns kann das nicht trösten. „Wenn man eine Panne hat und den ADAC anruft, können die einen auch über das Handy orten“, sagt Tanja Wiesmann.

Nachdem sich die NWZ  eingeschaltet hat, meldet sich die Polizei bei der Familie. „Sie haben eingeräumt, dass nicht alles optimal verlaufen ist. Jetzt werden sie aber alles unternehmen“, so Tanja Wiesmann.

Tobias Schwerdtfeger Leitung / Regionalredaktion
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