Lemwerder - Die Gemeinde Lemwerder wird im kommenden Haushaltsjahr rote Zahlen schreiben: Diese schlechte Nachricht musste Kämmerin Jutta Zander am Donnerstagabend im Ausschuss für Planung und Finanzen überbringen.

Erst vor wenigen Tagen habe man erfahren, dass es bei der Gewerbesteuer Einbußen von 9,5 Millionen Euro gäbe. Ein Unternehmen aus dem Ort hätte die deutlich nach unten korrigierten Zahlen jetzt erst ins Rathaus durchgegeben. „Die Kreisumlage berechnet sich nach dem Stand zum 30. September. Wir müssen deshalb mit einer hohen Umlage rechnen, obwohl unsere Einnahmen zurückgegangen sind“, erklärte Zander. Um die Kreisumlage zu zahlen, müsse die Gemeinde einen Kredit aufnehmen. Der Haushalt wird trotzdem ausgeglichen. „Da arbeiten wir mit Hochdruck dran“, erklärte Zander. Kontrovers diskutiert wurde am Donnerstag über das von der Landesregierung geplante Moorschutzprogramm. Mehrere Lemwerderaner Landwirte waren Zuhörer im Ausschuss, als über einen gemeinsamen Antrag von FDP und CDU für eine Resolution gegen die Pläne gesprochen wurde. Sie sehen eine Gefahr nicht nur für die Zukunft der landwirtschaftlichen Betriebe, sondern für alle Anwohner in Lemwerder, sollte das Entwässerungssystem der Gemeinde aus dem Gleichgewicht gebracht werden. Der Boden könne bei einer zusätzlichen Vernässung Starkregen nicht mehr aufnehmen.

„Ich muss am Schöpfwerk in Husum jeden Tag Wasser abpumpen, auch wenn es gar keinen Niederschlag gab“, sagte Karsten Haye-Warfelmann, CDU-Ratsherr und Landwirt. Auch FDP-Ratsherr Karl-Heinz Hagstedt erinnert sich an Zeiten, wo das Wasser bis in seinem Garten stand.

Diese Befürchtungen teilen die Grünen nicht. „Ich schätze den Moorschutz als ein wichtiges Ziel ein“, sagte Fraktionsvorsitzende Brigitte Rosenow. Außerdem könnten die Landwirte weiter arbeiten wie bisher. „Es wird vielleicht schwieriger, einen neuen Stall zu bauen“, sagte sie. Ebenfalls nicht an einer Resolution beteiligen wollte sich die SPD-Fraktion. Man werde nicht zustimmen, die Gemeindeverwaltung werde das Problem politisch lösen, sagte SPD-Ratsherr Meinrad Rohde. Die Resolution wurde mit elf Gegenstimmen von SPD und Grünen abgelehnt.

Im Rathaus will man die Informationen über das Problem der Vernässung von Flächen – ebenso wie andere Fehleinschätzungen der Planer – nach Hannover weitergeben. „Der Klimaschutz ist wichtig, aber man muss die spezielle Entwässerung hier vor Ort beachten. Es wären große Bereiche betroffen, wenn auch nur einer anfängt, Flächen zu vernässen“, sagte Bürgermeisterin Neuke.

Friederike Liebscher
Friederike Liebscher Redaktion Oldenburg