LEMWERDER - „Vandalismus in der Gemeinde“ ist in Lemwerder momentan ein aktuelles Thema und beschäftigte auch die FDP auf deren jüngster Fraktionssitzung am Dienstagabend im Rathaus. Zu dieser Veranstaltung war Polizeihauptkommissar Manfred Meier eingeladen worden, um sich den Fragen und Meinungsäußerungen der Lemwerderaner Bürger zu stellen. Der Platz am großen Runden Tisch reichte nicht aus für die zahlreichen an der Materie interessierten und betroffenen Bürgerinnen und Bürger. Es handelte sich offensichtlich um ein heißes Thema, das in der vergangenen Zeit schon viele Gemüter erhitzt hat. „Feuer frei für Wortmeldungen!“, forderte Fraktionschef Harald Schöne die Anwesenden auf.

So war zu erfahren, dass die Anwohner rund um den Bolzplatz in Deichshausen, im Bereich Gerhard-Hauptmann- und Steinfeldstraße, von einer Gruppe Jugendlicher attackiert und tyrannisiert werden. Regelmäßig an den Wochenenden oder in den Ferien werden in den Abendstunden die Fensterscheiben mit Kastanien oder sogar Eiern beworfen, in den Gärten wurden Adventsdekorationen und Blumenschalen sowie Zäune beschädigt. Zu Halloween wurde versucht, eine Hecke in Brand zu setzen. Es wird gegrölt und gepöbelt und sogar Gullydeckel werden ausgehoben sowie Lampen ausgeschossen. Auch das angrenzende Umfeld zeigt Spuren der Verwüstung: Im Kleingartengebiet liegen reihenweise Schnapsflaschen im Graben, Bäume werden abgesägt oder umgeknickt. „Es kann nicht angehen, dass wir uns von Jugendlichen terrorisieren lassen“, erboste sich FDP-Mitglied Horst Friedrich als Geschädigter.

Die Forderung nach stärkerer Polizeipräsenz gerade in den Abend- und Nachtstunden, vermehrte Fußstreifen sowie die Einschaltung des Präventionsrats oder eines Sozialarbeiters als „Streetworker“ stellten die Betroffenen in den Raum, denn solange nichts passiere, treibe die Gruppe weiter ihr Unwesen, waren sich alle einig.

Welche Kriterien erfüllt werden müssen, damit Verstärkung kommt, wollten die Anwesenden wissen. Polizeihauptkommissar Meiers Rede und Antwort überraschte dann die Anwesenden. Nur fünf bis zehn angezeigte Fälle würden im Jahr bei der Polizei auflaufen.

Der Polizist forderte die Lemwerderaner auf, jeden Fall anzuzeigen. Allerdings müsse man sich vorher fragen, ob sich der Aufwand überhaupt lohne, da jede Anzeige hohe Kosten verursache, gab er zu bedenken.

„Das verunsichert doch die Bürger“, ereiferte sich Stefan Boddenberg, stellvertretender Kreisvorsitzender der FDP und plädierte gleichzeitig für die „Broken-Windows-Theorie“ – nämlich gleich einzuschreiten, wenn das erste Fenster zerbrochen ist. In Lemwerder reiche es jedenfalls nicht, eine durchgehende Beleuchtung am Abend zu haben. Verwundert reagierten die Anwesenden auf die Aussage des Polizeihauptkommissars, dass von Seiten der Gemeinde kaum ein Schaden, wie z.B. beschädigte Lampen, bei der Polizei zur Anzeige gebracht werde.

Ein Blick auf die Uhr veranlasste Schöne, die Diskussionsrunde nach über einer Stunde für beendet zu erklären. Schöne: „Dieses Thema ist ein Mosaikstein in der Lebensqualität der Gemeinde.“