Lemwerder - Man hat Zeit gewonnen, wenn auch nur wenige Monate. Für die Nachricht, dass die Entscheidung über die Schließung der Eschhofschule nicht schon in wenigen Wochen getroffen werden soll, gab es von den Besuchern des Planungsausschusses in Lemwerder am Donnerstagabend spontanen Applaus. Das aktuelle Thema wurde kurzfristig auf die Tagesordnung der Sitzung gesetzt. Redebedarf gab es reichlich.
Die Bürgermeisterin
„Es muss eine andere Lösung gefunden werden“ – Bürgermeisterin Regina Neuke positionierte sich klar gegen die Schließung der Oberschule in Lemwerder. Die Vielfalt der Bildungslandschaft im Ort müsse bewahrt werden. Auch die erfolgreichen Kooperationen mit den Unternehmen im Ort wolle man nicht aufgeben – und das beruht auf Gegenseitigkeit. Die Werft Abeking und Rasmussen wolle sich nun selbst an den Landkreis wenden, und auf die tollen Projekte und die wichtige Zusammenarbeit hinweisen.
Die Schülerzahlen, die der Landkreis vorgelegt habe, müsse man noch einmal genau prüfen, sagte Neuke weiter. Ihre eigenen Prognosen würden besser aussehen als die Zahlen aus Brake – nichtsdestotrotz reichen auch diese nicht aus, um die Schule, wie gefordert, zweizügig zu führen. „Dieses Problem muss man auch anerkennen und sich dann eine kreative Lösung einfallen lassen“, regte sie an. So könnten die Oberschulen kooperieren, man könne auch über Fahrdienste für Schüler nachdenken. „Man sollte jetzt keine übereilte Entscheidung treffen sondern sorgfältig abwägen“, sagte sie.
Die Politiker
Mehrheitlicher Konsens war, die Oberschule im Ort zu behalten. Wolf Rosenhagen (CDU) gab an, dafür auch im Arbeitskreis Schulentwicklung im Landkreis gestimmt zu haben. Vorsitzender dieses Arbeitskreises ist Meinrad Rohde (SPD). Er sprach sich auch am Donnerstag nicht für den Erhalt der Schule aus – Grund sei eine mangelnde Qualität des Unterrichts bei einzügigen Klassen. Wahlpflichtkurse könne man so nicht durchführen. „Wir stellen im Arbeitskreis rein fachliche Überlegungen an“, sagte er auf die Kritik der Bürger.
FDP, Grüne und UWL wollen die Schule im Ort und damit die Vielfalt der Bildungslandschaft sichern. „Es wäre eine Schwächung des Standorts Lemwerder, die Schule nicht zu halten“, sagte Harald Schöne (FDP). Auch er war bei der Entscheidung im Arbeitskreis Schule auf Kreisebene dabei, allerdings nur als Vertreter. „Es geht gar nicht, diese Infrastruktur wegzustreichen“, sagte Brigitta Rosenow (Bündnis 90/Die Grünen). „Warum eigentlich in Berne?“, fragte Rainer Wohlers (UWL). Man müsse doch erst einmal prüfen, welcher Standort besser geeignet sei.
Davor, die beiden Standorte gegeneinander auszuspielen, warnte Ewald Helmerich (SPD). „Es pendeln schließlich auch Schüler aus Berne zum Gymnasium in Lemwerder“, gab er zu bedenken. Und er kritisierte – und damit war er nicht allein – die Informationspolitik des Landkreises.
Die Eltern
Die Eltern waren vor allem sehr verärgert über die spärlichen und verspäteten Informationen des Landkreises. „Es gab überhaupt keine öffentliche Diskussion“, kritisierte Elternsprecher Rainer Hotze. Dörte Woltjen, Vorsitzende des Elternrats, hält es für kurzsichtig, die Schule zu schließen. „Die Grundschule schult wieder dreizügig ein, die Schülerzahlen steigen an“, sagte sie. Die Eschhofschule biete in Lemwerder ein ganz besonderes und auch erfolgreiches Angebot, auch für Integrationskinder. „So eine Schule kriegen wir hier nie wieder“, warnte sie.
