Wo war die mahnende Stimme von (Oberbürgermeister Andreas) Wagner, als es darum ging, durch die Vergabe des Hafenbetriebs des Jade-Weser-Ports an Eurogate jegliche Gestaltungsspielräume für die deutschen Containerhäfen aufzugeben?
Maersk, die Muttergesellschaft von Eurogate, dem Betreiber aller deutschen Containerhäfen (die HHLA in Hamburg sehen wir mal als Exoten ohne weltwirtschaftliche Bedeutung an), handelt natürlich nach betriebswirtschaftlichen Gesichtspunkten, heißt Gewinnmaximierung für die einzelnen Konzerngesellschaften. Und da spielt der Jade-Weser-Port zur Zeit nur eine untergeordnete Rolle.
In dieser Situation noch eine küstenparallele Autobahn A 20 als Verbindung von Rotterdam nach Gdansk oder Skandinavien zu fordern, lässt an den intellektuellen Fähigkeiten zweifeln. Die Kostenstruktur von See- und Landtransporten spricht zwar gegen eine solche Verbindung – kein vernünftiger Mensch schafft sich aber doch ohne Not eine potenzielle Konkurrenz vor der eigenen Haustür. In der Schule würde man sagen: Thema verfehlt, sechs, setzen.
Es ist schon beachtlich, wenn der Wilhelmshavener Oberbürgermeister Andreas Wagner eine über 100 Kilometer lange Autobahn parallel zur Küste einfordert, während „sein“ Jade-Weser-Port daniederliegt. Sollte die A 20 tatsächlich gebaut werden, werden sich die holländischen Häfen freuen: Ihre Güter werden dann direkt auf der Straße per Lastwagen an Wilhelmshaven vorbei entlang der Nordküste durch Deutschland transportiert. Jeder so bewegte Container geht dem Jade-Weser-Port für immer verloren und erschwert die für die Zukunft herbeigesehnte Wirtschaftlichkeit des Hafens noch mehr. Das Vorhaben einer A 20 bringt Wilhelmshaven kaum einen Mehrwert, schadet ihm dafür umso mehr.
Die Entwicklung des Herrn Lies seit seiner Ernennung zum Landesminister macht uns nachdenklich. Der einst so bürgernahe (...) Politiker (...) aus Sande scheint sich immer mehr zum Erfüllungsgehilfen (...) der Wirtschaftslobby zu wandeln. Gegen jede Vernunft (und wir glauben auch gegen den Willen der Mehrheit der Bürger) versucht er, den reinen Wirtschaftsinteressen folgend, mit aller Macht den Bau unsinniger Autobahnen durchzusetzen.
Diese Republik ist kaum in der Lage, das bestehende Straßennetz mit Brücken und Tunneln in gutem Zustand zu erhalten. Fachleute bemängeln insbesondere zahllose marode Brücken, Landes- und Bundesstraßen, Kommunen haben kein Geld für die Instandhaltung der innerörtlichen Straßen und Wege.
In dieser Situation an immer neue Straßen, insbesondere Autobahnen, zu denken, ist ein geradezu verantwortungsloser Umgang mit Bürgern und den von ihnen aufzubringenden Steuergeldern. (...) Wer heute noch meint, im Bau immer neuer Autobahnen läge die Lösung unserer Mobilitätsprobleme (....), der muss sich Fantasielosigkeit oder gar Verantwortungslosigkeit vorwerfen lassen. Dieses Land verfügt über ein dichtes Netz von Straßen; Straßen, die maßvoll optimiert oder ausgebaut werden können. Darüber hinaus sollten die Kapazitäten der Bahn und der Schifffahrt deutlich verbessert werden. Der Bau neuer Straßen, insbesondere Autobahnen, ist in aller Regel ein nicht wieder gut zu machender Frevel an der (...) Natur! Wir schlagen vor, dass Politiker, die solchen Ansinnen irgendwelcher Lobbyisten „aufsitzen“, an künftigen Marsexpeditionen teilnehmen (müssen).
