(...) Ängsteschürend werden dramatische Rentensenkungen und massenhafte Altersarmut suggeriert. Gesellschaftliche Gruppeninteressen werden so gegeneinander ausgespielt („Alt gegen Jung“, „Arm gegen Reich“), zumal viele das Rentensystem nicht verstehen.
Richtig ist, dass die entscheidende Renten-Quote (nicht -Niveau!), also das Verhältnis der Durchschnittsrente zum Durchschnittslohn, in unserer alternden Gesellschaft künftig pro Jahr um ein halbes Prozent zurückgeht. Als Rentenbezugsgröße steigen aber gleichzeitig die Löhne weiter, so dass auch das Kaufkraftniveau für die künftige Rentnergeneration Schätzungen zufolge um ein Drittel ansteigt. Die Renten steigen mithin nur langsamer als die Löhne!
Wer dies – wie etwa Ministerin Nahles über „Haltelinien“ bei der Rentenentwicklung – begrenzen oder ganz verhindern will, verursacht in eine gefährliche Schieflage.
(...) Wer als Politiker oder Sozial-Lobbyist nicht tricksen, sondern das Vertrauen der Menschen in die nachhaltige Sicherheit unserer Renten stärken will, kommt nicht an der Erkenntnis vorbei, dass die erfreuliche, aber immer längere Lebenserwartung/Rentenbezugszeit in unserer rapide alternden Gesellschaft zwingend an ein zunehmend höheres Renteneintrittsalter als bisher gekoppelt werden muss. Andere europäische Länder sind da ehrlicher und längst weiter.
Arbeitsminister Blüm (CDU) tönte lautstark: „Die Rente ist sicher.“ Nur eines sagte er nicht: Ob sie für viele Rentner zum Leben reichen wird. Wie viel spätere Generationen von ihrem Verdienst für die Rentenkasse aufbringen müssen. Und wie viel diese für die Höhe der Einzahlung später an Rente ausbezahlt bekommen. (...)
Seit Jahrzehnten wissen unsere Politiker, dass dieses Rentensystem nicht nur nicht mehr gerecht, sondern auch ein Auslaufmodell ist. Nur sie schweigen, denn ein gerechtes Rentensystem würde auch von ihnen, sowie von Beamten, Selbstständigen und auch Millionären Rentenbeiträge einfordern. Damit wären nicht nur Lohnempfänger in der Pflicht, für die Altersversorgung einen Beitrag zu leisten, sondern alle (...), auch Politiker. (...) Diese Art von Rentensystem wird in der Schweiz praktiziert, und damit ist Altersarmut für die Schweizer ein Fremdwort.
Übringens, dieses Rentensystem wollten Politiker der SPD einst einführen. Doch dann fiel ihnen ein, dass auch ihr Geldbeutel dadurch schmaler würde. Sie verwarfen den Gedanken.
In der NWZ wurde am 29. September berichtet, dass sich die Politiker in Berlin wieder einmal Gedanken über die Rente machen. Welche Gedanken machen sie sich denn? Etwa wie überlebe ich am besten selber als Politiker oder Beamter? Oder meinen sie es ernst mit der Rentenpolitik?
Es kann doch nicht sein, dass immer und immer wieder an der Berechnung der Rente herumgedoktert wird. Der Arbeiter, Angestellte oder Selbstständige kann es doch schon gar nicht mehr hören. Junge Menschen werden derart verängstigt und stellen sich häufig die Frage: Lohnt Arbeit überhaupt noch?
Ich meine, es lohnt sich noch, etwas für die Rente zu tun. Allerdings müssen alle in die Rentenkasse einzahlen, egal ob Arbeiter, Angestellter, Selbstständiger oder Beamter (22 Prozent des monatlichen Bruttoeinkommens). Nur so wird ein Schuh draus. Es kann und darf künftig nicht mehr sein, dass ein Pensionär 71,5 Prozent seines letzten Gehalts bekommt und der normale Bürger nur 40 Prozent. (... ) Sollte ein Ehepartner sterben, dann bekommt die Witwe nur 60 Prozent der Rente des Ehegatten, und es kann in vielen Fällen der Lebensabend nicht mehr bestritten werden.
Hier muss ein sofortiges Umdenken in Berlin erfolgen, denn ich sehe hier eine große Gefahr für den sozialen Frieden. (...) Aber wer spuckt sich schon selber in die Suppe? (...) Vor dem Gesetz sind bislang nicht alle gleich.
