• Jobs
  • Immo
  • Auto
  • Kleinanzeigen
  • Trauer
  • Hochzeit
  • Guide
  • Shop
  • Tickets
  • nordbuzz
  • FuPa
  • Werben
  • Kontakt
 
NWZonline.de Nachrichten Politik Kommentare & Meinungen Leserbriefe

Ansehen der Polizei leidet durch Berichte

18.08.2018
Betrifft: „Die Krux mit den Dienstfahrten – Untreue-Prozess: Gericht hört Polizeipräsidenten zur Genehmigungspraxis“, Oldenburger Land, 8. August sowie „Spion & Spion – Unternehmen: In der EWE-Peilsenderaffäre bespitzelten sich“, Oldenburger Land, 9. August

Als langjähriger Abonnent der NWZ und regional wie überregional interessierter Leser bin ich zunehmend erschrocken über den effektheischenden Stil der Berichterstattung, der offensichtlich auch vor Ihrer Zeitung keinen Halt macht. Im Gegensatz zu einer thematisch seriösen Auseinandersetzung und medialen Aufbereitung (...) fallen hierbei die mittlerweile boulevardesk anmutenden Veröffentlichungen zu den Themenkomplexen „EWE“ und dem aktuellen Untreue-Prozess „Dienstfahrten“ auf. Zuletzt erstreckte sich ein in der Ausgabe 184 vom 9. August veröffentlichtes, (pseudo-) investigatives Foto zur „Peilsenderaffäre“ über knapp eine halbe Zeitungsseite. Gewürzt wurde es mit der privatsendertauglichen Fortsetzung einer Kriminalgeschichte mit Lokalkolorit, die einen würdigen Platz in jeder seichten Strandlektüre finden könnte. Mit dem marktschreierischen Aufgreifen jedes (aus Sicht des Gerichts sicherlich relevanten) Details und jeder Äußerung zum Untreue-Prozess hinsichtlich der Dienstwagennutzung soll offensichtlich das mediale Sommerloch gestopft werden. Nur so kann ich mir erklären, dass fortwährend und ausufernd Zeitungsseiten damit gefüllt werden. Gibt es keine anderen, berichtswerten Themen, die unsere Gesellschaft berühren?

Sie haben mit der Vorstellung von ehrenamtlich engagierten Menschen in unserer Region unlängst einen meines Erachtens guten Weg begonnen. Bitte prüfen Sie zukünftig in Ihrer Redaktion, ob nicht die Veröffentlichung eines Porträts über eine/n stille/n Engagierte/n (...) die profane Berichterstattung über ein großes Energieunternehmen oder Leser ermüdende Gerichtsprozesse ersetzen kann. Vielen Dank!

Immo Suhr
Oldenburg

Die Gerichtsverhandlung über den Vorwurf der Untreue gegen den ehemaligen Dienststellenleiter von Dincklage entwickelt sich schon jetzt zu einer Schmierenkomödie. Durch die mediale Berichterstattung leidet das Ansehen der Polizei in der Öffentlichkeit erheblich. Aber auch die Justiz, die Anklage erhoben und das Verfahren eröffnet hat, steht im Fadenkreuz der Kritik. Erhielt sie Weisung von ganz oben?

Es geht offensichtlich um 90 Fälle von Untreue infolge der missbräuchlichen Nutzung von Dienstkraftfahrzeugen. Der Schaden soll circa 7000 Euro, das heißt, durchschnittlich circa 78 Euro pro Fall, betragen. Es sind mindestens 37 Verhandlungstage angesetzt.

Man fragt sich, wer hat eigentlich ein Interesse daran, das Verfahren in dieser Form durchzuführen? Wer die Berichterstattung in der NWZ aufmerksam verfolgt hat, mussfeststellen, dass Herr von Dincklage ein Kandidat für den Leiterposten der Polizeiinspektion Oldenburg Stadt/Ammerland war. Ein Kripo-Mann hatte also gute Chancen, diesen Posten zu erhalten. Das schien nicht allen zu gefallen. Das alte Spartendenken zwischen der Schutzpolizei und der Kriminalpolizei war durch die große Polizeireform 1994 zumindest organisatorisch beendet worden aber, bis heute wohl nicht in allen Köpfen.

Der damalige Polizeipräsident Thurau soll vorgeschlagen haben, die Angelegenheit intern zu klären. Vermutlich erkannte er die Brisanz der Sache. Er konnte sich aber offensichtlich nicht durchsetzen. Vielleicht gab es auch hier Weisung von ganz oben.

So nahm das Ganze seinen Lauf. Die Polizei bildete eine Ermittlungskommission. Die ermittelte in 800 Fällen, um die Sache aufzuklären. Sie musste dann nochmals nacharbeiten und circa 100 Zeugen vernehmen. Diese Zahlen und der enorme Ermittlungsaufwand zeigen eindeutig, wie wichtig dieser Fall der Polizeiführung und der Justiz war.

Man kann den Eindruck gewinnen, dass die Polizei bestens damit ausgelastet ist, sich mit sich selbst zu beschäftigen. Es stört nur der Bürger mit seinen Anliegen.

Rudolf Riesmeier
Oldenburg

Ihre Meinung über 

Hinweis: Unsere Kommentarfunktion nutzt das Plug-In „DISQUS“ vom Betreiber DISQUS Inc., 717 Market St., San Francisco, CA 94103, USA, die für die Verarbeitung der Kommentare verantwortlich sind. Wir greifen nur bei Nutzerbeschwerden über Verstöße der Netiquette in den Dialog ein, können aber keine personenbezogenen Informationen des Nutzers einsehen oder verarbeiten.