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NWZonline.de Nachrichten Politik Kommentare & Meinungen Leserbriefe

Antisemitismus auf Grund gehen

19.10.2019
Betrifft: „Grassierende Pest“, Kommentar von Alexander Will zum Halle-Attentat, Meinung, 11. Oktober, sowie weitere Berichte

„(…), denn es gibt eine antisemitische Großwetterlage in Deutschland“, schreibt Alexander Will. Da hat er recht. Eine kurze Recherche im Internet belegt die ersten Anschläge auf jüdische Synagogen in Deutschland (...) nach 1945 im Jahr 1969. (...) Ich selbst, Jahrgang 77, kann mich zu keinem Zeitpunkt daran erinnern, dass in Deutschland jüdische Schulen, Synagogen oder öffentliche jüdische Einrichtungen nicht unter Polizeischutz standen. Die EUMC-Studie zu Antisemitismus 2003 kam zu dem Schluss, dass in Deutschland sowie weiteren europäischen Staaten althergebrachte Vorurteile, Verschwörungstheorien und Hass in der Mitte der Gesellschaft präsent sind.

Ebenso wenig wie um die Terrortaten des NSU oder die Entwicklung rechter militanter Strukturen seit den 70er Jahren haben die politisch Verantwortlichen bei Antisemitismus gehandelt. Hier muss von einem jahrzehntelangen Staatsversagen gesprochen werden. Es bedarf einer bemerkenswerten Naivität, Unkenntnis der historischen Entwicklung oder „willentlicher“ Ignoranz, um hier von einer „neuen Situation“ zu sprechen. Die Tat von Halle in Verbindung zu bringen mit in Deutschland lebenden Muslimen oder Geflüchteten und dabei von „importiertem Antisemitismus“ zu sprechen, zeigt, wie wenig Alexander Will an inhaltlicher Kritik gegenüber antisemitischen Strukturen gelegen ist.

Vielmehr redet er einem politischen Journalismus das Wort, der den Rassismus und die Gewalt gegenüber Fremden und Andersdenkenden in den letzten Jahren bestärkt hat. (...) Demokratische Strukturen und Menschenrechte zu schützen (...) – diese Aufgabe haben auch Journalisten.

Moritz Wessels
Oldenburg

Nach dem erschreckenden Anschlag in Halle überschlagen sich politische Statements (...) mit dem Grundtenor, warum, wieso, aber immer begleitet von der (...) Aussage „nie wieder“. Dieses Credo muss zu einer internationalen Verpflichtung werden, sonst klingt es wie eine Parole. (...) Wobei wir (...) noch immer kein Instrument gefunden haben, um dem braunen Sumpf Paroli bieten zu können. Welch tieferen Sinn beinhaltet aber dieses „nie wieder“? Die Büchse der Pandora mit eiserner Hand verschließen? Nicht mehr die Frage stellen dürfen, was begründet dieses Phänomen des jahrhundertealten Antisemitismus? Warum nimmt dieser traumatisierende Zustand in den letzten Jahren weltweit wieder zu?!

Es wäre zu einfach, dieses Phänomen allein dem rechten Gedankengut zuzuschreiben. Eine politisch aufgeklärte Bürgerschaft (...) denkt zunehmend differenzierter, so zum Beispiel auch über den Staat Israel. Nicht über seine Einwohner, sondern explizit über deren Regierungschef Netanjahu und seine perfide Vorgehensweise gegen die Palästinenser und die arabischstämmigen Juden.

Diese, durch ihn manifestierte Verachtung und der (...) deklassierende Umgang gegenüber einem ganzen Volk, schürt bei den Betroffenen, und nicht nur bei denen, Verzweiflung, Wut, Hoffnungslosigkeit und Hass bis hin zum Terror. Ein solch unwürdiges Verhalten eines jüdischen, rechtsgerichteten Staatsmannes ist durchaus Anlass dafür, dass (...) weltweit der Antisemitismus wieder mehr in den Fokus rückt. Und trotzdem ist jede der Parteien verpflichtet, vor ihrer eigenen Haustüre zu kehren, denn fast jede Aktion „Hallischer“ Art entspringt einem tieferen Hintergrund.

Karl-Heinz Broesamle
Edewecht

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