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NWZonline.de Nachrichten Politik Kommentare & Meinungen Leserbriefe

Beurteilung nicht einfach

01.09.2018
Betrifft: „Der Tag, an dem Herr S. verschwand – Betreuung: Die Behörden bringen einen alten Mann heimlich an einen unbekannten Ort, seine Freunde sind fassungslos“, Oldenburger Land, 14. August

Das ist wieder eine hervorragend von Herrn Krogmann recherchierte, sachlich, aufklärerisch und überaus spannend geschriebene Story! Für das Verschwinden des Herrn S. und seine plötzliche Herausausnahme aus seinem sozialen Beziehungsnetz mag es nachvollziehbare medizinische und rechtliche Gründe gegeben haben. Es wird damit aber auch aufgezeigt, dass nicht alles was rechtens ist, auch unbedingt ethisch-moralisch angemessen ist. Haben die verantwortlichen Ärzte sich von diesem Beziehungsnetz ein Bild gemacht, bevor sie es mit ihrem Antrag an das Betreuungsgericht wegen einer „mittelschweren Demenz“ außer Kraft setzten? Welches Gewicht hat das Recht auf selbstbestimmte Teilhabe im häuslich- nachbarschaftlichen Lebensbereich? Warum konnte keine sozialverträgliche Lösung realisiert werden? Wann darf ein laut Recherche intakt erscheinendes soziales Netzwerk eines Menschen derart verletzt und zerstört werden? Ist es da nicht verständlich, wenn ein solcher mühsam hinter dem Datenschutz versteckt gehaltener Vorgang an Entmündigung und Behördenwillkür erinnert?

Prof. Dr. Andreas Zieger
Oldenburg

Ob in dem geschilderten Fall Fehler und/oder Versäumnisse begangen worden sind, können wir nicht beurteilen.

In den Medien werden häufig Einzelfälle aufgegriffen, die vermeintlich oder tatsächlich Versäumnisse oder Fehlverhalten von Betreuern zum Inhalt haben. Dadurch entsteht eine „Schwarz-weiß-Sicht“, die der Vielschichtigkeit der gesetzlichen Betreuung nicht gerecht wird. Das Rechtsgebiet der gesetzlichen Betreuung (§§ 1896 ff. BGB) ist vielen gar nicht bekannt oder wird oftmals mit „Entrechtung“ und „Entmündigungen“ gleichgesetzt. Die Aussagen bezüglich der durchschnittlichen Fallzahl von Berufsbetreuern (37) und der aufgewendeten Stunden pro Betreutem (4,1 Std./Monat) (...) vereinfachen die Anforderungen, die in einer Betreuung stecken. (...)

Insofern bedauern wir den polarisierenden Ton des Berichtes von Herrn Krogmann, sehen ihn aber auch als Chance für die weitere Auseinandersetzung. (...)

Gerne würden wir den Autor oder auch andere Interessierte zu einer Hospitation in unserem Büro einladen, um einen Eindruck von der Vielschichtigkeit des Berufes zu gewinnen.

Klaus Leifke und Michael Koletzki
Oldenburg

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