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NWZonline.de Nachrichten Politik Kommentare & Meinungen Leserbriefe

Debattenkultur steckt in der Misere

31.08.2019
Betrifft: „Es gibt nur Schwarz oder Weiß – Landwirtschaft: Warum unser Reporter nicht mehr über das Thema schreiben mag“, Oldenburger Land, 23. August

Danke für diese klaren Worte!

Recherchieren und schreiben Sie dennoch bitte weiter, Herr Krogmann, denn die Berichterstattung der NWZ zum Thema Landwirtschaft nahm ich bisher als ausgewogen wahr. Um Verhaltensänderungen friedlich zu erzielen, muss man dicke Bretter bohren. Mitunter dauert es Jahrzehnte, bis sich eingeschliffene Gewohnheiten ändern.

Nehmen wir das Beispiel Rauchen. Von den ersten Berichten über den Zusammenhang zwischen Rauchen und Krebserkrankungen bis zum Verbot des Rauchens in öffentlichen Gebäuden und Gaststätten brauchte es über vierzig Jahre. Mittlerweile ist die Zahl der Raucher von vormals über 50 Prozent auf unter 25 Prozent gesunken. Daran hatten die Medien entscheidenden Anteil gegen eine mächtige Lobbygruppe der Tabakindustrie. Muss Deutschland der größte Erzeuger/Exporteur von Schweinefleisch und Käse in Europa sein, wenn die Entsorgung der tierischen Ausscheidungen auf dem kleinen Territorium nicht mehr möglich ist? Hier werden neue Gülle-Verordnungen kommen, vielleicht sogar auf dem Umweg über Brüssel, wenn Lobbyisten im Land die Politik blockieren. Aber es dauert leider. Solange geben Sie bitte nicht auf nach dem Motto „Steter Tropfen höhlt den Stein!“

Hubert Paluch Oldenburg

Der Beitrag von Herrn Krogmann zeigt auf, dass es auf freiwilliger Basis keinen Konsens zwischen Landwirten, Verbrauchern und Umwelt gibt. Alle Vorschläge (...) greifen nicht oder führen zu einer überbordenden Bürokratie. Die Erhöhung des Mehrwertsteuersatzes in der Diskussion um mehr Tierwohl ist ein ungeeigneter Beitrag. Ein weiterer Aspekt ist die Überproduktion an Lebensmitteln, die die Erzeugerpreise für die Landwirte drücken.

Warum geht man nicht wieder über zur Koppelung des Tierbestandes an die zur Verfügung stehende Fläche, gestaffelt nach Grün- und Ackerland. Die Begrenzung des Tierbestandes kann viele Probleme (...) lösen: Mehr Tierwohl durch mehr Platz in den Ställen, Eindämmung des klimaschädlichen Methans aus der Massentierhaltung, Reduzierung des Güllepro­blems und die Einwirkungen auf das Grundwasser, Verbesserung der Erlöse für die Erzeuger durch Reduzierung des Angebotes, Verminderung des Einsatzes von Soja aus der Zerstörung des Regenwaldes, Vermeidung der Erzeugung von Lebensmitteln die vernichtet werden (...).

Dies würde zweifelsfrei die Agrarindustrie im Oldenburger Münsterland treffen. (...) Hier ist die Politik gefordert, Rahmenbedingungen zu setzen (...). Die zu erwartende Erhöhung der Lebensmittelpreise könnte für Hartz IV-Empfänger durch eine Erhöhung der Leistungssätze aufgefangen werden, die (...) durch Subventionseinsparungen in der Landwirtschaft frei werden. (...) Das Problem des Importes unter fragwürdigen Bedingungen produzierter Lebensmittel bedarf einer besonderen Lösung durch EU-einheitliche Regeln, Einfuhrkontrollen und Aufklärung.

Fokke Oltmanns Brake

Ist es nicht so, dass die Agrarindustrie sich hinter dem Begriff Landwirtschaft versteckt und hier ganz bewusst die Begrifflichkeiten verwirren sollen? (...) Es ist (...) eine Fehlentwicklung, wenn es hier immer nur größer und ertragreicher werden muss. Die deutschen landwirtschaftlichen Produkte werden weltweit über Termingeschäfte vermarktet. Dort werden die Preise gemacht, uns wird erzählt, wir bestimmen den Preis durch unser Kaufverhalten. Jeder Einzelne (...) bezahlt über hohe Subventionen aus Steuergeldern diesen Wahnsinn. Die hoch subventionierten Agrarprodukte überschwemmen Entwicklungsländer und entziehen den dortigen Landwirten die Lebensgrundlage. Wenn sie sich dann als Flüchtlinge auf den Weg zu uns machen, wird das Problem auf anderer Ebene zurückgebracht. Wenn man sich (...) noch ansieht, dass genau in diese Länder Entwicklungsgelder für die Hilfe zur Selbsthilfe fließen, möchte man an diesem Wissen verzweifeln.

Der einzige Weg, die Diskrepanzen auszuräumen, kann (...) nur sein, auch bei der Berichterstattung eine klare Linie zu ziehen, was ist eigentlich noch Landwirtschaft und was ist börsenorientiertes Handeln mit landwirtschaftlichen Produkten? Wir müssen hin zum Direktverkauf mit kurzen Wegen. Die wenigen Landwirte, die dieses wollen und mühsam aufbauen, werden von der Agrarlobby niedergeschrien und klein gehalten. Fördergelder dürfen nicht mehr von den Flächenzahlen sondern von der Nachhaltigkeit abhängen. Sie haben recht, es muss eine Versachlichung in die Diskussion kommen. Das geht in unserer oberflächlichen Welt nicht mit Schwarz/ Weiss.

Rolf Scherer Bockhorn

In Ihrem Artikel beschreiben Sie sehr schön die große Misere unserer (...) Debattenkultur. Wir haben es vollkommen verlernt zu hören, was der andere sagt und meint (...). Auch früher hatte jedes Dorf seinen Idioten, (...) doch die heutige Gesellschaft mit ihren technischen Möglichkeiten bietet diesen leider einen (...) weltweiten Spielraum für ihre (...) Dummheiten. Die gesellschaftlichen Filter sind weg und die Blasenwirtschaft verstärkt diesen (...) Einfluss noch unverhältnismäßig stark. Es ist (...) traurig zu beobachten, dass jede gute Idee in den sozialen Netzwerken fast immer auf Skepsis (...) stößt, wohingegen die größten Dummheiten und Bosheiten fast immer auf sehr fruchtbaren Boden (...) fallen (...).

Kürzlich stand in der „Süddeutschen“ ein sehr schöner Spruch mit dem ungefähren Wortlaut, dass das gemeinsame Abendessen die Kinderstube der Demokratie sei. Diese Kinderstube ist uns weitgehend abhandengekommen, da in vielen Familien jeder isst, wann er will, bzw. wenn er isst, auch sein Smartphone dauernd im Betrieb hat und somit an einer Diskussion eigentlich nicht teilnehmen kann. Zudem haben viele Eltern ihren Erziehungsauftrag outgesourct in Schule und Kindergarten, betreiben zudem häufig selbst als Helikoptereltern die neue Form der Empörungskultur (...).

Und hier müssen wir als Gesellschaft (...) Ideen für eine Wiederbelebung der Gesprächskultur entwickeln, ansonsten verlieren wir uns als Gesellschaft und Volkswirtschaft in unsinnigen Mautscharmützeln etc. und verlieren den Blick auf die großen Herausforderungen für unseren Fortbestand, die wir nur gemeinsam und nicht gegeneinander (...) lösen können.

Gustav Wehner Oldenburg

Der Markt wird es nicht regeln, denn nahezu jeder – wie auch ich – denkt für sich beim Einkauf wirtschaftlich – hinsichtlich Geld und Zeit. Deshalb braucht es klare politische Vorgaben auch in vielen anderen Bereichen. Beispielsweise könnte Plastik in Kosmetika verboten werden, genauso wie Einwegplastikgetränkeflaschen – egal ob mit oder ohne Pfand –, sinnlose „give-aways“ die bestenfalls in der nächsten Tonne landen, Styroporpolster in Verpackungen, in Plastik eingepacktes Obst und Gemüse, die Plastikblättchen zwischen den Käsescheiben an der Frischetheke (wenn man nicht aufpasst und sagt, dass man die nicht braucht). Und sind die Einweghandschuhe wirklich notwendig, um die Lebensmittel hygienisch über den Tresen gehen zu lassen? Und kann der Burger nicht direkt im Restaurant vom Teller gegessen werden – statt im Auto, aus dessen Fenster die Tüten und Becher dann fliegen?

Es gibt eine ganze Menge, die der Gesetzgeber regeln kann und muss, denn wie heißt es noch in dem Albenspruch aus meiner Kindheit: „Erst wenn der letzte Fluss vergiftet (...) ist, werdet ihr merken, dass man Geld nicht essen kann.“

Und auch beim Verkehr geht sicher noch viel. Das Radwegenetz muss attraktiver ausgebaut werden anstatt die Radler – wie an der Oldenburger Straße in Varel – auf die Straße oder den Bürgersteig oder über Umwege Richtung Innenstadt zu schicken. Da kann man sich bei den Niederländern bestimmt so einiges abgucken. Aber die bauen ja auch keine Autos...

Sonja Romann Bockhorn

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