„Arbeiter in der Fleischindustrie werden offenbar unter Druck gesetzt“, Interview mit Matthias Brümmer, Im Nordwesten, 30. Mai

Ein Aufschrei der Empörung müsste durch das Land gehen. Gewerkschafter werden im Auftrag eines Fleischkonzerns durch die Polizei an ihrer Arbeit gehindert. Menschen werden unter Druck gesetzt, dass sie den Kontakt mit den Gewerkschaftern vermeiden und so auf wichtige Informationen verzichten müssen.

Ist es 25 Jahre nach dem Mauerfall schon wieder (oder immer noch?) möglich, dass die berechtigten Interessen und die Freiheit von Menschen mit Hilfe von Staatsorganen unterdrückt werden, dass das kriminelle Handeln von Leih- und Werkvertragsfirmen im Interesse der Großkonzerne auch mit Hilfe der Polizei vertuscht werden soll?

(...) Die verfehlte Lohnpolitik, kein Mindestlohn, ungeregelte Verhältnisse bei Leiharbeit und Werkverträgen, hat Deutschland in großen Wirtschaftsbereichen zu einem Billiglohnland werden lassen, zu Lasten von Nachbarländern. Lohnarbeit wird als Werkvertragsarbeit bezeichnet, und ganze Firmen werden nach Deutschland verlagert. Schweine aus Dänemark, Belgien und Frankreich werden zum Beispiel in Deutschland geschlachtet und verarbeitet.

Dass Arbeitgeber den Mindestlohn ablehnen, kann man wohl nur ideologischer Engstirnigkeit zuschreiben. Oder soll hier mit Vorsatz der Ausbeutung von Menschen Vorschub geleistet werden? Soll möglichst viel auf dem Tisch der „Großen“ landen, damit noch etwas für die „Kleinen“ herunterfällt? Ich habe diesen Spruch eigentlich immer auf das Mittelalter bezogen. Das war dann wohl ein Irrtum.

Georg Siefken Ramsloh