Es ist gut und lobenswert, wenn sich die NWZ für den Erhalt der deutschen Sprache und gegen eine Verwendung überflüssiger Anglizismen – das so genannte Denglisch – ausspricht (NWZ vom 8.9.2018, Seite 18). Wesentlich glaubwürdiger wäre dieser Einsatz für die deutsche Sprache allerdings, wenn sich die NWZ und ihre Mitarbeiter selber daran halten würden. Direkt daneben auf Seite 19 derselben Ausgabe ist eine Anzeige der NWZ, in der es von englischen Begriffen in wenigen Zeilen nur so wimmelt: coole, online, NWZshop, Look, Outfit, Labels, Basics, Stories.
Vielleicht sollte die NWZ-Redaktion die eigene Anzeigenabteilung einmal darauf hinweisen, dass man für all diese Begriffe auch deutsche Wörter nutzen kann. Übrigens zeigen spanische sowie spanischsprachige Medien in Lateinamerika sehr anschaulich, dass man das Englische weitgehend vermeiden kann, wenn man denn nur will (Beispiele aus dem Spanischen: Interview = entrevista, live = en vivo, online = en linea). Die NWZ könnte sich daran ein Beispiel nehmen, denn nicht nur die spanische, sondern auch die deutsche Sprache bietet eine sehr vielfältige Auswahl an Möglichkeiten, etwas auszudrücken.
... was in der Familie und in der Schule nicht erlernt wurde, ist später auch kaum aufholbar. Das sichere Sprachgefühl kommt nicht „von selber“.
Menschen mit unsicherem Sprachgefühl neigen eher dazu, ihre Sätze mit irgendetwas anzureichern, dass sie in ihrem Umfeld hören und das als chic oder (moderner) „in“ gilt.
Unsere deutsche Sprache ist bei richtiger Anwendung grandios feinsinnig und treffsicher – selbst „zwischen“ den Zeilen können ohne Worte ganze Tatbestände übermittelt werden.
Leider interessiert das Thema deutsche Sprache immer weniger. Im Zeitalter der fast erzwungenen „Weltbürgerschaft“ wird unsere nationale Sprache in den Hintergrund geschoben, Hauptsache der Gesprächspartner weiß ungefähr, worum es geht.
Selbst in den Medien, sogar bei Nachrichtensprechern, „schleichen“ sich eklatante Fehler und „Schmunzelfehler“ ein.
Ob die Wäsche aufgehangen oder aufgehängt wurde ist heute egal – Hauptsache sie hängt oder hat gehängt – oder gehangen?
Der „Tag der Deutschen Sprache“ wird daran leider nichts mehr ändern.
