Es macht mich fassungslos, wie vergesslich Michel Steuerzahler, wie belehrungsresistent und kurzsichtig die verantwortlichen Politiker und wie dreist die Lobby der Milchindustrie ist. Genau diese Situation – Milchüberschussproduktion – Preisverfall unter die Herstellungskosten und daraus resultierend Forderungen nach Unterstützung durch den Steuerzahler (der Staat hat nämlich kein Geld) hatten wir bereits Ende der 1970er Jahre. (...) Als Gegenmaßnahme wurde 1984 die Milchquote eingeführt. Nach Abschaffung der Milchquote zum 1. April 2015 gelang es der Milchindustrie, innerhalb eines Jahres die Situation so zu verschärfen, dass viele kleine Betriebe schließen müssen.
Wer wider besseren Wissens gnadenlos Überschüsse produziert, pokert. Dass die Marktpreise dann irgendwann unter die Erstehungskosten fallen, ist absehbar.
Die Folgen sollte man dann auch bitte konsequenterweise unter unternehmerisches Risiko abbuchen. Auch markige Sprüche und aggressive Forderungen der Lobby ändern nichts an dieser Tatsache.
(...) Selbstverständlich brauchen wir eine gesunde Landwirtschaft für den sinnvollen Anbau von benötigten Produkten zu auskömmlichen Preisen und für die Pflege der Landschaft zur Vermeidung von flächendeckenden Monokulturen mit all ihren Auswirkungen. Dafür können auch Subventionen erforderlich sein. Nicht aber für seit Jahren verfehlte Betriebskonzepte auch basierend auf Fehleinschätzungen von Politikern. Ich darf auch von Unternehmern gesunden Menschenverstand und Weitsicht erwarten, denn sie tragen eine große Verantwortung.
Beim Arten- und Naturschutz liegt vieles im Argen. Das belegen zahlreiche wissenschaftliche Untersuchungen und seriöse Medienberichte, ebenso wie die Realität in der Landschaft. Die Roten Listen der bedrohten Tier- und Pflanzenarten machen die Landwirtschaft als Hauptverantwortlichen des dramatischen Artenrückgangs aus.
(...) Für Bauernpräsident Joachim Ruckwied ist aber die Landwirtschaft ein wahrer Hort des Natur- und Tierschutzes. Über letzteren gibt es so viele grausige Medienberichte, dass man die Bilder nur schwer wieder aus dem Kopf bekommt. Aber der Bauernpräsident ignoriert die Fakten völlig, weil Änderungen ja Subventionen aus den Töpfen der EU und aus den Steuersäckeln des Bundes und der Länder schmälern könnten. Über 40 Prozent des EU-Etats gehen für Subventionen an die Bauern drauf. (...)
Es gehört schon eine sehr große Portion Faktenresistenz und Zynismus dazu, die heutige Intensiv-Landwirtschaft als „natur- und landschaftsverträglich“ zu verkaufen! (...) Experten sind der Auffassung, dass die Artenvielfalt unsere wichtigste Ressource ist. Die Agrar-Lobby vernichtet diese Vielfalt, und die Bevölkerung muss das auch noch bezahlen. (...)
