„Griechen stimmen doch ab“, Titelseite, 2. Juli, sowie „Die Uhr tickt“, Kommentar von Rolf Seelheim zum Referendum der Griechen

(...) Ganz gleich, ob das Referendum stattfindet oder nicht, und egal mit welchem Ergebnis, Griechenland wird weiterhin Geld von Brüssel verlangen. Und Brüssel wird zahlen. Es läuft also offensichtlich auf einen europäischen Finanzausgleich hinaus, auch wenn es dafür keine gesetzliche Grundlage gibt. Aber das ist den Europa-Ideologen Schnuppe. Wir Steuerzahler werden es schon richten!

Wenn die Milliardenbeträge wirklich erübrigt werden können, sollte man sie lieber den Herkunftsländern der Mittelmeerflüchtlinge zukommen lassen.

Hartwig Ohlenbusch Neuenburg

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„Endloses Elend“, Kommentar von Alexander Will zur Euro-Krise, Meinung, 30. Juni, sowie weitere Berichte

Die drei befragten Oldenburger Bundestagsabgeordneten von SPD, CDU und Grüne sind generell gegen einen Grexit, weil sonst die Menschen in Griechenland „aus dem Blick geraten“.

Nach über fünf Jahren Rettungspolitik mit über 300 Milliarden€ an Hilfen, einem Schuldenschnitt von rund 120 Milliarden€ zu Lasten privater Gläubiger und einer aufgelaufenen Haftung allein der deutschen Steuerzahler für rund 87 Milliarden€, mache ich mir ernsthaft Sorgen um die fachliche Kompetenz vieler unserer Politiker, wenn sie im Bundestag über so weitreichende Fragen wie Griechenland abstimmen. (...)

Wer aber nur dem vorgeblich humanitär-solidarisch getriebenen Politik- und Medienmainstream nachjagt, verliert am Ende die Menschen – für das Projekt „Europa“ und für wirkungsvolle Hilfe zur Selbsthilfe, besonders in Notfällen. Sonst könnte er ja gleich die ganze Welt mit Steuergeld „retten“ wollen. (...)

Sighart Nehring Oldenburg

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Man kann es langsam nicht mehr hören: Immer wieder werden die Geldgeber schwach und geben nach. Dabei ist hier jedem Bürger klar, dass dieses Geld auf Nimmerwiedersehen in Griechenland verbrennt. Aber unsere Politiker wollen das nicht wahrhaben und lassen sich auf der Nase herumtanzen.

Diese Hilfen sind nicht der richtige Weg. Man scheint vergessen zu haben, dass es einen Vertrag zur Währungsunion gibt. Dieser besagt ganz eindeutig, dass jeder Staat für seine Finanzangelegenheiten und damit auch für seine Schulden selbst verantwortlich ist. Wir, die deutschen Staatsbürger, haben kein Vertrauen mehr zu unserer Währung und der Regierung. (...)

Heinz Schnitker Hatten-Kirchhatten

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Die Hinhaltetaktik der griechischen Regierung und die Reaktion der EU darauf kommen mir wie ein politisches Theater, wie eine tragische Komödie vor. Wie lange lassen sich die „Finanzexperten“ der EU denn noch mit Versprechungen hinhalten?! Bisher hat Griechenland keine konkreten Sparmaßnahmen beschlossen und auch nichts auf die Milliardenkredite zurück gezahlt. Meines Erachtens wird Griechenland in absehbarer Zeit keine Rückzahlungen tätigen können und auch nicht wollen. Weshalb dann weitere Milliarden Euro zur Verfügung stellen, von denen nichts zurückkommt? Und zahlen müssen wir, die Bürger der EU, die nicht mal gefragt worden sind, ob diese Milliardenkredite an einen doch wohl bankrotten Staat gewährt werden sollen.

Die Meinung von diversen Finanzexperten und Politikern, dass es dem Euro schaden würde, wenn Griechenland aus dem Euroverbund ausscheiden würde, trifft meines Erachtens nicht zu. (...)

Wolfgang Hatwig Oldenburg

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Was Ökonomen längst erwartet haben, das Scheitern der viele hundert Milliarden teuren Griechenrettung, ist eingetreten. Nicht nur die Griechen, sondern auch US-Ökonomen, Linke und Grüne geben Bundeskanzlerin Merkel wegen ihrer Austeritätspolitik die Schuld am Scheitern.

Unsere Politiker haben Tsipras wegen der Ablehnung dieser Austeritätspolitik als alleinigen Schuldigen ausgemacht. Wann ringen sich unsere Verantwortlichen endlich zu der Einsicht durch, der Euro hat die Schuld. (...)

Siegfried Park Leer

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(...) Es geht immer um die Menschen! Aber nicht, durch Transfers von Milliarden das griechische Volk dauerhaft zu alimentieren – aus reinem Gutmenschentum! Da gibt es auf dieser Welt wahrlich Bedürftigere als eine Nation, die es in den letzten 50 Jahren versäumt hat, ihre Wirtschaft wettbewerbsfähig zu machen, ihren Staatshaushalt fiskalisch in Ordnung zu bringen und ihre Verwaltung effektiv zu organisieren!

Wer als Unternehmer oder auch Staat die Gesetzmäßigkeiten einer funktionierenden Wirtschaft ignoriert, so keine Arbeitsplätze für die Bevölkerung schafft, verliert die Basis für die Versorgung der Menschen! (...) Langfristig kann Hilfe nur die Selbstheilungskräfte Griechenlands mobilisieren! (...)

Volker Meyer Oldenburg

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(...) Wenn ich Grieche wäre, würde ich in Erwägung ziehen, Britannien um Rat zu bitten. Großbritannien ist ein europäisches Land, das für seinen Pragmatismus, gesunden Menschenverstand und seine volkswirtschaftliche Perspektive bekannt ist. Darüber hinaus hat Großbritannien eine lange und breite Erfahrung mit unterschiedlichen Gesellschaften und hat Institutionen in sehr verschiedenen kulturellen Umfeldern rund um den Erdball geschaffen.

Dies trifft auch für Zypern zu, ebenso für Deutschland nach Europas größter Krise im 20. Jahrhundert. Sollten die Griechen nach dem Referendum am kommenden Sonntag nach einem neuen europäischen Partner suchen, um die Blockade zu durchbrechen, könnten sie das Vereinigte Königreich als Vermittler oder gar als Architekten für einen neuen institutionellen Rahmen in Erwägung ziehen. (...)

Dr. Patrick A. Puhani Hannover