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18.06.2016
NWZonline.de NWZonline 2016-06-18T05:13:02Z 280 158

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Grundeinkommen wäre Chance

Betrifft: „Schlechte Idee“, Kommentar von Alexander Will zu Geld ohne Leistung, Meinung, 6. Juni

(...) Etwa ein Viertel der Schweizer sprach sich für die Idee eines bedingungslosen Grundeinkommens aus. Die Idee des „Erbens für alle“ gewinnt langsam aber sicher an Zustimmung. Vielen geht eine solche freiheitliche Reform der sozialen Sicherheit freilich zu weit. Herr Will etwa hat Angst, dass die Menschen mit einem Grundeinkommen vom Staat „abhängige und willfährige Zombies“ werden. Doch welche neue Abhängigkeit wird durch ein Grundeinkommen geschaffen? Abhängig ist in einer arbeitsteiligen Gesellschaft ohnehin jeder von der Arbeit anderer und auch vom Gemeinwesen. Keiner kommt in der modernen Gesellschaft alleine durch.

Fragt sich nur, unter welchen Bedingungen diese Abhängigkeit besteht, wir Arbeit für andere machen müssen. Mit einem Basis-Einkommen im Rücken könnten wir auf dem Arbeitsmarkt endlich auf Augenhöhe verhandeln. Niemand bräuchte sich mehr unter Existenzdruck zu prostituieren – in welcher Form auch immer. Ausbeuterische und entfremdete Arbeit wird dann weniger werden, oder anders ausgedrückt: Dem Kapitalismus kommen seine Untertanen abhanden. Viele Zeitgenossen können sich das heute noch nicht vorstellen.

Ich schlage Herrn Will vor, es einmal auszuprobieren – mit einem wissenschaftlich begleiteten Experiment, ähnlich wie unsere Partnerstadt Groningen es plant: Wir zahlen 200 zufällig ausgewählten OldenburgerInnen drei Jahre lang ein bedingungsloses Grundeinkommen von zum Beispiel 800 Euro pro Monat und beobachten dann, was sie mit ihrem Leben anfangen: Wie viele von ihnen werden zu „Zombies“ mutieren?

Ulrich Schachtschneider
Oldenburg

*
 Ich schätze Ihre Kommentare, aber gerade das Grundeinkommen hat für mich einen außerordentlichen Charme. Die Schicht abhängiger Zombies, die das Grundeinkommen Ihrer Meinung nach schafft, gibt es die nicht bereits? Kümmern wir uns nicht bereits mit erheblichen Mitteln nicht nur um diejenigen, die nicht können, sondern auch um diejenigen, die nicht wollen? Ich bin der Meinung, dass der Staat seine Ausgaben an dieser Stelle deutlich kürzen (z. B. Arbeitslosenversicherung und die zugehörige Bürokratie streichen) und das gesparte Geld bedingungslos als Grundeinkommen umlegen könnte.

So würde auch Ihre Befürchtung, dass die Leistungsträger zusätzlich zur Kasse gebeten würden, entkräftet. Wer nicht arbeiten kann oder will, erhält ein Grundeinkommen, dabei sind jede weiteren Ansprüche ausgeschlossen. Ich glaube sogar, dass diese Methode bei den Empfängern Kräfte freisetzen könnte, damit der Zahlung keine Erwartungen an sie herangetragen werden und sie die Freiheit besitzen, das Beste daraus zu machen. Der Staat ist dann gerade nicht mehr „der große Bruder“, der sich kümmert, sondern derjenige, der sich freikauft und Verantwortung an die Empfänger delegiert. Leistung wird und muss weiterhin belohnt werden, denn die deutliche Mehrzahl der Menschen wird mit einem Grundeinkommen allein nicht glücklich werden.

Volker Glumm
Norden