Das Orchester des Oldenburgischen Staatstheaters wird meines Erachtens immer besser, es wurde hervorragend musiziert, Chor und Solisten waren ebenfalls hörenswert, wunderschöne Stimmen, es gibt im Grunde nichts zu beanstanden, es war einfach schön!
Leider war die Inszenierung ein einziger Krampf! Bühnenbild und Kostüme haben mit der wunderbaren Musik, dem Inhalt und den Texten der Oper nicht harmoniert.
Bühnenbild: nüchtern, ein Landhauswohnzimmer mit einer Bücherwand und vielen Büchern, Kostümen: Straßenanzüge, zum Teil mit Krawatte, Kleider der 60er und 70er Jahre.
Es ist mir in den 2,5 Stunden der Aufführung trotz großer Anstrengung und Konzentration nicht gelungen, zwischen Musik, Gesang, der Geschichte und den Texten der Oper und der Inszenierung einen Bezug beziehungsweise eine Verbindung herzustellen!
Es war für mich, als ob Musik und Inszenierung überhaupt nicht zusammen gehörten. Es tat sich eine Diskrepanz auf zum Beispiel, wenn der Haremsaufseher Osmin, gekleidet in einen europäischen Straßenanzug, singt: „Oh, wie will ich triumphieren, wenn wir sie zum Richtplatz führen und die Hälse schnüren zu, schnüren zu...“, oder die „Haremsmäuse“ verspottet.
Zu Mozarts „Entführung...“ gehören nach meinem Verständnis Pluderhose und Turban. Das ist keineswegs eine Diskriminierung der Menschen des Orients, denn es sind einfach unterschiedliche Welten und Kulturen, der Orient und der Okzident, damals wie heute.
Das sehen wir doch auch täglich jetzt in unserem Straßenbild.
Diese „neutralisierte“ Inszenierung der „Entführung...“ wird diese unterschiedlichen Welten nach meiner Meinung jedenfalls einander nicht näher bringen!
