Zehn Männer: So sieht der Fortschritt aus. Vier Sieger, zudem Hochkaräter und Laudatoren. Begeisterte und fundierte Berichterstattung oder doch nur platte Werbung: Wenn dem „Tatortreiniger“ was Tolles einfällt. Bei so vielen überschwänglichen Zeilen ist ein knapper Leserbrief auf verlorenem Posten.
Ich versuche mich an der härtesten Nuss: Desinfektion von Tierställen ohne Chemie: „grüne“ Innovation nennt sie sich! Ein Aerosol mit der Substanz Praxatin DES 50, das ist Wasserstoffperoxid (-superoxid) H2O2. Verzicht auf Chemikalien? Weder neu noch ohne Chemie, allein die Herstellung ist Chemie.
In hoher Konzentration sehr giftig und sogar explosiv (aktiver Sauerstoff).
Im Aerosol wohl nicht, aber ohne Stabilisator (Phosphorsäure) und ohne Silberionen im Nebel? Ich mag es nicht glauben. Ist es effektiv? In hoher Konzentration ja. Aber danach muss das Behältnis verschlossen sein. Das Robert-Koch-Institut (RKI) hält das Verfahren zur Raum-, Flächen- und Luftdesinfektion für nicht geeignet. Ich auch nicht. Die Anzahl der Keime wird zwar reduziert, mehr nicht. Misst man sie unmittelbar nach der Desinfektion, ist das Ergebnis brauchbar, nach wenigen Stunden (im Stall) ist der Effekt vorbei. (...) Wer mit Aerosolen herumhantiert, sollte auch an Feinstäube und Ultrafeinstäube denken. Wenn ich mich nicht sehr irre, wird es zu einem paradoxen Effekt kommen: der Versuch zu reinigen bewirkt das Gegenteil. Mein Fazit: Keine „grüne“ Innovation, sondern unwirksam und problembeladen. Wer wirksam Boden, Luft und Wasser – das Klima, Flora, Mensch und Tier erhalten möchte, sollte nicht mit Aerosolen bei der Massentierhaltung kooperieren, sondern sie abschaffen.
