Betrifft:
„Ewiger Kampf gegen Lügen“, Berichterstattung über die Verleihung des Carl-von-Ossietzky-Preises an Inge Deutschkron, Kultur, 5. MaiIn meiner Position als Generalmusikdirektor hatte ich die Ehre, zur Verleihung des Carl-von-Ossietzky-Preises an Inge Deutschkron eingeladen zu sein. Ich erlebte eine mich tief bewegende Veranstaltung mit einer Hochachtung gebietenden Laureatin. Obwohl ich es mir als ausübender Künstler in dieser Stadt eigentlich nicht mit dem Feuilleton verscherzen sollte, kann ich als – in diesem Falle ausdrücklich privat auftretender – Fachmann den Absatz über die Uraufführung der Auftragskomposition von Maximilian Marcoll in der Berichterstattung von Reinhard Tschapke nicht unkommentiert lassen.Auch ich habe das Werk trotz der sehr interessanten und ernsthaften Anmerkungen des Komponisten sicher nicht in Gänze verstanden, würde dies aber nach wie vor auch nicht von Beethovens Neunter behaupten. Ich habe ein klar gegliedertes, spannend und feinfühlig mit Klangfarben experimentierendes und frappierend stimmungsvoll mit dem unvermittelt einsetzenden Lamberti-Geläute verschmelzendes Stück Musik erlebt, das dem Anlass voll gerecht und im Übrigen hochklassig aufgeführt wurde.
Die locker-flockige Art der Formulierung „...bei der man schon mal schön langsam eine Art Bändchen quietschend durch die Harfe zog...“ wird nicht nur weder dem Werk noch dem Anlass nicht gerecht – sie konterkariert geradezu die wohlbedachte Intention der Verantwortlichen zu so einer Veranstaltung einen Kompositionsauftrag zu vergeben und eben nicht – bei aller Liebe – ein Divertimento von Mozart spielen zu lassen.
Angesichts dieses leichtfertigen Tons bei der – zwangsläufig als wertend aufgenommenen – journalistischen Aufbereitung von Neuer Musik wird mir allerdings gänzlich unbehaglich, wenn ich den Zusammenhang herstelle mit Leben und Werk der Person, um die es eigentlich ging – Inge Deutschkron.
Alexander RumpfOldenburg
