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NWZonline.de Nachrichten Politik Kommentare & Meinungen Leserbriefe

Lage in der Fleischindustrie ist nicht neu

04.07.2020
Betrifft: „Infektion mit Ansage“, Kommentar von Thomas Haselier zum Corona-Ausbruch bei Tönnies, Meinung, 19. Juni

Vielen Dank, lieber Herr Haselier, für Ihren Beitrag (...). Mögen Ihre Ausführungen die Menschen nicht nur zum Nachdenken und zu „guten Vorsätzen“ bringen, sondern entsprechende, dringend erforderliche, längst überfällige Taten folgen lassen! Die Zeiten der halbherzigen Bekundungen und Versprechungen unserer Politiker*innen sollten endgültig vorbei sein, konsequentes Handeln ist angesagt! Das ist das Eine! Doch sollte sich vielmehr auch jede/r Verbraucher*in fragen, ob er/sie es mit seinem/ihrem Gewissen vereinbaren kann, Mitverursacher*in dieser skrupellosen, mensch- und tierverachtenden Zustände in unserer Fleischindustrie zu sein, indem immer noch viel, zu oft – und deshalb auch nur das billigste – Fleisch auf ihren Tellern landet! Kaum ein Deutscher ist bereit, unter den vorherrschenden Bedingungen in unseren Schlachthöfen zu arbeiten. Fleisch wollen sie (fast) alle, die Drecksarbeit will niemand machen! Daher werden die Menschen – vorwiegend aus Osteuropa – zu Dumpingpreisen bei uns beschäftigt, missbraucht und in ihrer Notlage ausgenutzt! Und aktuell auch noch als die Buhmänner verurteilt, die das Virus aus ihrer Heimat mitgebracht und bei uns eingeschleppt haben!

Wir sollten endlich aufhören, Fleisch – das im Übrigen unserer Gesundheit nachweislich schadet – derartig wichtig zu nehmen. (...)

Heidemarie Eisenbach-Horn Oldenburg

(...) Sie schreiben: längst verstummt ist jede Debatte, die auf ein neues, verändertes Wachstumsmodell hofft. Erinnern Sie sich, Herr Haselier, an die frühen 70er Jahre, als wir im Studium und in den Hochschulgruppen genau dies obwaltende Wirtschaftssystem kritisiert haben? Und hofften! Ein paar von uns sind ausgestiegen und haben unter dem Motto anders leben, anders arbeiten sich ihre Freiräume geschaffen. – Soll das alles wieder aufgewärmt werden? (...)

Meine Hoffnungen richten sich auf die Denker im Einklang mit den Wirtschaftswissenschaftlern, die jetzt bitte für die fünf Wertschöpfungsbereiche unserer Gesellschaft entschlossene Strukturveränderungen im Sinne der Nachhaltigkeit aufweisen und einfordern. Wenn diese Richtschnur gezogen und durch massive Fördergelder fest verankert ist, läuft der Rest von allein.

Anstelle von Analysen (Ihre ist gelungen!) müssten jetzt, Herr Haselier, konkrete Handlungsmaximen aufgezeigt werden, nicht nur den Politikern, etwa flächendeckender Bioanbau (wenigstens für ganz Ostfriesland) sowie Landschaftsschutz als vergütete Aufgabe der Landwirte, Freitagsunterricht an den Schulen projektmäßig, Thema Klimakrise. Dafür gibt es großen Bedarf.

Claudia Lojewski-Bahr Emden

(...) Kommentator Thomas Haselier verallgemeinert, wenn er schreibt: „Jahrzehntelang hat die Politik bei Tönnies (und anderen Schlachthöfen) alle Augen zugedrückt. Jetzt fällt ihnen die Untätigkeit auf die Füße.“

Der Kommentator muss doch wissen, dass nur die CDU – von der Fleischlobby beeinflusst – alle Augen zugedrückte, ebenso die Bundes-Journalisten.

Im Archiv der NWZ ist auf den Lokalseiten der NWZ die Kritik der SPD-Arbeitsgemeinschaft für Arbeitnehmerfragen (AfA) im Landkreis Oldenburg nachzulesen: Schon am 22. Februar 2011 stand in der NWZ: SPD-AG: Gleicher Lohn für Leiharbeit.

Und im Text: Leiharbeiter bekommen im Schnitt 40 bis 50 Prozent weniger als die Stammbelegschaft. Damit wird Leiharbeit nicht mehr nur genutzt um Auftragsspitzen abzufangen, sondern zum Unterlaufen der Tariflöhne missbraucht.

Am 6. Februar 2012, NWZ: Olaf Lies kritisiert Fehlentwicklungen am Arbeitsmarkt. Leiharbeiter bekämen vielfach 43 Prozent weniger als die Stammbelegschaft, dagegen in Frankreich 20 Prozent mehr.

NWZ 26. Juli 2013: „Missstände bei Werkverträgen beseitigen.“ Im Text: MdB Holger Ortel berichtete: Unseren Antrag, mit dem wir den Missbrauch von Werkverträgen bekämpfen und eindämmen wollten, hat die schwarz-gelbe Mehrheit im Bundestag abgeschmettert.

Auch in den folgenden Jahren ist in der NWZ nachzulesen, dass die SPD kein Auge zudrückte, sondern ständig die Fleischindustrie kritisierte.

Hermann Bokelmann Harpstedt

Betrifft: „Es muss sich etwas ändern in der Schlachtbranche“ sowie „Wenn wir ehrlich sind, haben wir es alle laufen lassen und weggeguckt“, Zitate von Barbara-Otte-Kinast, Niedersachsens Agrarministerin, Titelseite 25. und 27. Juni

An prominenter Stelle zitiert die NWZ Niedersachsens Agrarministerin Otte-Kinast (CDU) zur Situation in der Fleischindustrie. „Wenn wir ehrlich sind, haben wir es alle laufen lassen und weggeguckt.“

Alle? Diese Aussage ist dreist. Das alte Spiel: die politischen und wirtschaftlichen Eliten ziehen den Nutzen aus einer Sache, hier Macht und Geld. Die Verantwortung für die daraus entstehenden Probleme werden dann aber dem Rest der Gesellschaft mit untergeschoben.

Wer hat weggeschaut? Der Pfarrer Peter Kossen bestimmt nicht. Die Umweltverbände nicht. Die Gewerkschaften nicht. Die Vegetarier bestimmt nicht. Fridays for future nicht. Alle, denen die Würde des Menschen und der Tiere wichtig sind, haben nicht weggeschaut. Sie werden als „Gutmenschen“ diffamiert.

Weggeschaut haben die zynischen Profiteure der Situation in der Fleischindustrie: Die regierenden Politiker der CDU und der SPD, die Manager der ausbeuterischen Betriebe, die großen Lebensmittelkonzerne, auch die Werbeindustrie, auch die gedanken- und gnadenlosen Billigkonsumenten. (...)

Christian Finck Rastede

Es muss sich etwas ändern in der Schlachtbranche? Barbara Otte-Kinast? Es muss sich etwas ändern? Welch eine Erkenntnis! Es ist schon bemerkenswert, was unsere Volksvertreter alles so von sich geben. Das ist heute der Wissensstand eines Viertklässlers In früheren Jahren hätten solche Aussagen den Leser aufhorchen und applaudieren lassen. Heute füllen sie nur noch Lücken in den Medien.

Kurt Herzog Brake

Betrifft: „Klöckner will Fleischmarkt umkrempeln – Lebensmittel: Tierwohl, Preispolitik und Arbeitsbedingungen sollen grundlegend verbessert werden“, Nachrichten, 27. Juni sowie weitere Berichte

Seit Jahren wissen unsere Politiker über die Situation in den großen Schlachtbetrieben Bescheid, aber sie unternehmen nichts. Sie akzeptieren und fördern damit die Situation. Rumänische Arbeiter arbeiten in den deutschen Betrieben gegen Mindestlohn und leben unter unwürdigen Verhältnissen. Ein Teil dieses Fleisches wird dann nach Rumänien exportiert. Die rumänischen Landwirte können ihre Produkte nicht mehr verkaufen, da sie zu teuer gegenüber den Billigimporten sind. Die bisherige Werkvertragspraktik mit Subunternehmen muss umgehend verboten werden, aber nicht nur in Deutschland, sondern in der gesamte EU. Für mich liegen die eigentlichen Ursachen in der Subventionspolitik der EU. Die EU fördert die Landwirtschaft und damit auch die Viehwirtschaft. So werden mit den Fördermitteln immer mehr Tiere gezüchtet und diese überschwemmen den Markt.

Die Folge ist ein Preisverfall, der durch den hohen Exportanteil in anderen Ländern, wie auch Afrika, die Eigenproduktion lahm legt. Automatisch steigen dort die Arbeitslosenzahlen und die Menschen suchen nach Überlebenschancen, zum Beispiel durch die Flucht nach Europa. Bei der Subventionspolitik der EU sollten die Verantwortlichen aber auch beachten, dass die geförderte Fleischproduktion auch andere Folgen hat. Es steigt natürlich zum Beispiel die Gülleproduktion, die das Grundwasser verseucht und damit ein Ergebnis dieser EU-Politik ist. (...)

Uwe Kramer Oldenburg

Viele Minister vor Klöckner haben es bereits versucht, leider ist es immer beim Versuch geblieben. Die großen Schlachthöfe (...) müssen verschwinden, erst dann wird es mit der Sauerei wieder besser. Jedes Dorf muss wieder einen Schlachter, so wie es bis in den 60er Jahren war, haben. In den großen Städten kann ein städtischer Schlachthof die Tiere schlachten und dann an die Metzger liefern. Die Bauern könnten ihre Schweine direkt an den Schlachter verkaufen und so einen höheren Erlös bekommen. Übrigens: Die ganzen großen Schweinemästereien müssen verschwinden, die Tiere müssen auf Stroh gehalten werden. Ein Bauer sollte nicht mehr als 100 Schweine im Jahr füttern. Das Fleisch hätte auch eine bessere Qualität und muss natürlich mehr kosten. Warum müssen wir in Deutschland für andere Länder Fleisch produzieren? Der Dreck bleibt bei uns, so kann es nicht weitergehen! Denken wir an die Zukunft, das Grundwasser ist zum Teil ohnehin schon mit Nitraten belastet.

Die Bundesregierung muss hier sofort etwas unternehmen, notfalls muss die Kanzlerin selber das Heft in die Hand nehmen. (...)

Hans-Gerd Harms Ocholt-Howiek

Wie zwischenzeitlich die Medien berichten, ist die Problematik in den Schlachtbetrieben an verantwortlichen staatlichen Stellen seit Jahren bekannt. Allerdings haben sie aufgrund der offensichtlichen Einflussnahme politisch-regionaler Verantwortlicher gar nicht oder nicht sachgerecht reagiert.

Das heißt meines Erachtens aber auch, dass sie, die gewählten Abgeordneten, die Verantwortung für die derzeitige Misere tragen und zu verantworten haben. Unabhängig von strafrechtlichen Fragen und Handlungen sollte der Wähler sich seiner Verantwortung Bewusstsein, und zwischen Wahlkampfspenden und Gemeinwohl für die Bevölkerung unterscheiden.

Herbert Hedderich Oldenburg

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