Ein Landkreis, der in seinem „Hoheitsgebiet“ Genehmigungen für 1,96 Millionen Schweine, 178 000 Rinder und 13,6 Millionen Stück Geflügel erteilt, muss sich die Frage gefallen lassen, ob bei der Prüfung der gestellten Bauanträge alle gesetzlichen Vorschriften zum Umwelt-, Gewässer- und Anwohnerschutz berücksichtigt worden sind. Wie kann es sein, dass ein Landkreis zusätzliche Ställe genehmigt, wenn ihm angesichts des genehmigten Tierbestands 96 000 Hektar für eine fachgerechte und gesetzeskonforme Ausbringung von Gülle und Mist fehlen? (...).
Er setzt mit dieser Gülleschwemme nicht nur die Landwirte in den Nachbarlandkreisen unter Druck, sondern befeuert damit auch einen kaum zu kontrollierenden Gülletourismus, der weder umweltfreundlich geschweige denn nachhaltig ist! Anstatt nun auf Kritiker zuzugehen, wird Druck aufgebaut, wenn jemand es öffentlich wagt, die Genehmigungspraxis in Frage zu stellen. Es bleibt zu hoffen, dass die Verwaltung die Vorgänge wirklich sorgfältig prüft! (...)
Frau Dr. Kannen hat von Vorwürfen berichtet, wonach es bei der Genehmigung von Ställen nicht mit rechten Dingen zugehe. Auch mir sind solche Vorwürfe oder Befürchtungen von Bürgern in Bezug auf die Genehmigung von Groß-Tierhaltungsanlagen zu Ohren gekommen. Und in der Tat gibt es bei vielen Bürgern auch eine Angst, dies offen zu äußern (...)
Gut, dass Frau Dr. Kannen dies alles endlich zur Sprache bringt. Es ist fair, dass Frau Dr. Kannen die Unschuldsvermutung anwendet und sich nicht vorstellen kann und will, dass es Korruption im Landkreis geben könne. Umso unverständlicher ist deshalb die Reaktion, ggf. müsse Frau Dr. Kannen ihrerseits mit rechtlichen Schritten der Kreisverwaltung rechnen.
Positiv ist die Ankündigung der Verwaltung, jetzt nach möglichen Belegen oder Anhaltspunkten einer Bestechung zu suchen. (...)
Frau Dr. Kannen ist eine mutige Frau. Eigentlich erwartet man diese Haltung von allen Politikern. Aber sie ist leider nicht selbstverständlich. Ich halte es eher für wahrscheinlich als für unwahrscheinlich, dass es im Bauamt des Landkreises Cloppenburg Korruption gibt. (...) Der Landrat Johann Wimberg (CDU) holte die Keule heraus und unterstellte Frau Dr. Kannen, dass sie mit diesen „vagen Verdächtigungen“ ein „unlauteres politisches Geschäft betreibe“. Er drohte schon einmal vorab rechtliche Schritte der Kreisverwaltung an, wenn die Ausführungen von Frau Dr. Kannen nicht bestätigt werden. Scheinbar war der Hinweis von Frau Kannen ein Stich ins Wespennest. (...) Frau Dr. Kannen wünsche ich Standfestigkeit. (...)
