Da kündigt der Geschäftsführer des Zentralverbandes der Deutschen Geflügelwirtschaft an, dass Geflügelfleisch kein Premiumprodukt werden wird. Also weiterhin Masse statt Klasse. Billigproduktionen mit allen Nebenwirkungen wie Tierqual, Vergüllung der Landschaften, Vergiftung unseres Wassers, krankheitserregende Keime aus den Tierhaltungsanlagen und Antibiotika-Resistenzen durch das Verfüttern von Antibiotika in der industriellen Massentierhaltung. Das alles für die ständig weniger werdenden gedankenlosen Konsumenten von Billigfleisch. Mit permanenten Werbemaßnahmen heizen die Massenproduzenten für Geflügelfleisch den Billigfleischkonsum an. Was hier nicht zu Dumpingpreisen verkauft werden kann, geht in den Export.
(...) Dass dieser Branche nichts anderes einfällt, als schon wieder über Kameras in ausgesuchten Tierhaltungsanlagen einen Einblick in die Welt der Massentierhaltung anzubieten, ist äußerst einfallslos. Das interessiert kaum noch einen Kritiker (...). Erheblich preiswerter wäre es, wenn der Lobbyistenverband der Geflügelindustrie Peta & Co. eine Dauer-Eintrittskarte in alle Geflügelställe anbieten würde. (...) Los, trauen Sie sich!
Vielen Dank an die NWZ -Redakteure für Ihr beharrliches Nachfragen zu den Zuständen in der agrarindustriellen Geflügelhaltung, auf das die befragten Lobbyisten offenbar nur mit Plattitüden antworten konnten, wie zum Beispiel für das schlechte Image der Geflügelwirtschaft seien „kritische Gruppen“ verantwortlich. Man habe ja im heimischen Hühnergarten auch 60 artgerecht gehaltene Hühner, (...) das Kürzen der Schnabelspitzen sei ein „Behandeln“, die Geflügelindustrie sei kaum verantwortlich für antibiotikaresistente Keime…
Wenn die Lobby künftig wirklich per Videokamera die Zustände in ihren 40000er-Mastanlagen auf die PCs übertragen sollte, dann wird man auch dort die Realität sehen. (...) Man sollte sich angesichts peinlicher und eher kabarettreifer Äußerungen der Geflügellobby nicht darüber hinwegtäuschen lassen, dass wir es hier mit knallharten und immer noch mächtigen Konzernstrukturen zu tun haben. Gut, dass eine noch stärkere gesellschaftliche Bewegung (...) für eine „artgerechte Tierhaltung auf Bauernhöfen statt in Agrarfabriken“ mittlerweile erfolgreich daran arbeitet, dass Qual- und Konzern-Tierhaltung hier und EU-weit verboten werden.
Der Behauptung, das Kürzen des Schnabels bei Wirtschaftsgeflügel sei eine „Behandlung“ und lediglich mit einer geringen Belastung für die Tiere verbunden, muss (...) deutlich widersprochen werden. Der Infrarotstrahl, jährlich routinemäßig bei Abermillionen von Legehennen und Puten angewandt, verursacht eine Verbrennung dritten Grades und führt damit zur Zerstörung und zum Verlust des hochempfindlichen vorderen Schnabelteils.
Das Tierschutzgesetz schreibt vor, dass solch äußerst schmerzhafte Amputationen unter Betäubung vorzunehmen sind. Zwar gibt es Ausnahmen vom Betäubungsgebot (...), doch darunter fällt nicht die Schnabelamputation. Dennoch wird dieser Eingriff in der Praxis betäubungslos durchgeführt, das ist eindeutig rechtswidrig. Herr Ripke müsste es wissen, denn Ergebnisse wissenschaftlicher Untersuchungen über die Folgen der Infrarot-Methode sind aus einem Institut veröffentlicht worden, das dem Landwirtschaftsministerium unterstellt ist. Hier war Herr Ripke acht Jahre lang Staatssekretär (...).
Wie bezeichnend für die Deutsche Jammer-Mentalität ist es, wenn ein Tierarzt, der jahrelang von und durch die Landwirtschaft sein Geld verdient hat, nun, wo er seine Schäfchen im trockenen hat, in einem Buch zu einem Rundumschlag der besonderen Güte ausholt.
Nicht nur, dass er in vielen Fällen die Fakten reißerisch verdreht, nein, es wird auch noch skandalträchtig hervorgehoben, was sich in den vergangenen Jahren zwar verbessert hat, aber wohl bei ihm noch nicht angekommen ist.
Die Nitratwerte im Grundwasser sind in den vergangenen Jahren stets rückläufig gewesen, wie das Umweltbundesamt vor einigen Wochen bekannt gegeben hat, und auch in der NWZ erwähnt wurde. Was leider vergessen wurde: Die Medikamente im Wasser sind überwiegend jene aus Menschenhand. (...)
Das mit der Diskussion um MRSA versucht wird, Bücher zu verkaufen ist eine weitere Geschmacklosigkeit, denn wie das Robert-Koch-Institut festgestellt hat, sind nicht mal zehn Prozent dieser Keime auf die Tierhaltung zurückzuführen. Grade die tragischen Fälle vor einigen Wochen in Kiel sind aus der Türkei eingeschleppt worden (...).
