Noch mehr öffentliche Mittel für Landwirte? Sauberes Trinkwasser ist das höchste Gut, das wir auf der Erde haben. Alles muss sich dem Erhalt dieses Schatzes unterordnen, auch die wirtschaftlichen Interessen der Landwirte. Es ist erschreckend, dass Landwirte allen Ernstes fordern, die dringend gebotene Reduzierung des Gülleeintrages um 20 Prozent in den roten Gebieten zurückzunehmen. Das sind immerhin Gebiete, in denen der Nitratgehalt im Grundwasser jetzt schon über dem Höchstwert liegt! (...)
Statt Verantwortung zu übernehmen und eigene Vorschläge zu unterbreiten, wie die Tierdichte im Landkreis reduziert werden kann, begeben sich die Landwirte in die bequeme Opferhaltung und schimpfen auf den Verbraucher, der angeblich keine Ahnung hat und nicht bereit ist, gutes Geld für gute Produkte aus der Landwirtschaft zu bezahlen.
Viele Landwirte in der Gemeinde Großenkneten bekommen (...) Subventionen (...). Ich finde, da darf der Steuerzahler erwarten, dass das Grundwasser nicht verseucht wird.
Gegen die Veröffentlichung der EU-Subventionen sind die Landwirte auch Sturm gelaufen. Zum Glück ist die EU nicht eingeknickt und besteht auf diese Transparenz, sodass sich jeder Bürger eine eigene Meinung darüber bilden kann, ob noch mehr Geld in die Landwirtschaft gepumpt werden soll (...). Ich hoffe jedenfalls sehr, dass die Maßnahmen zum Schutz des Grundwassers nicht zurückgenommen werden. Im Gegenteil, ich wäre eher für eine Reduzierung des Gülleeintrages um mindestens 50 Prozent, bis wir wieder sauberes Wasser haben, auch für nachfolgende Generationen.
Bauern sind Unternehmer. Unternehmer unternehmen was in ihren Betrieben. Viele konventionell arbeitende Bauern jammern aber nun, wie schlecht es ihnen geht und dass sie die Sündenböcke für alles sind. Aber haben sich die Probleme in der Landwirtschaft nicht schon seit Jahrzehnten abgezeichnet? Wurde dagegen etwas unternommen? Im Gegenteil: Mehr, größer und schneller war das Motto der Bauernfunktionäre von Heeremann bis Ruckwied. Und die meisten Bauern haben sich überzeugen lassen, dass dies mit viel Chemie und hochgerüsteten Ställen am besten zu erreichen ist. Leider. Frau Otte-Kinast hat sehr richtig erkannt, dass es zum ökologischen Landbau keine echte Alternative gibt. Und die von ihr geforderten Mittel zur Umstellung auf biologische Landwirtschaft sind schon längst vorhanden und könnten ja noch aufgestockt werden. Die Bio-Bauern sind gut im Geschäft, die Nachfrage boomt, aber es gibt zu wenig Bio-Betriebe für diese Nachfrage. Das sind optimale Voraussetzungen für die Umstellung. Außerdem macht der andere Umgang mit Tieren und Pflanzen zufriedener, er ist für alle gesünder und umweltfreundlicher und er wäre ein Ausweg aus der Misere der Landwirtschaft.
Frau Ministerin Otte-Künast hat mal wieder richtig ins Klo gegriffen. Anstatt sich der Ursache zuzuwenden, rudert sie im Gedankensumpf der Bauern, um Geld in die Höfe umzulagern.
Das Einfachste liegt ihr nicht. Wenn die Massentierhaltung reduziert würde und es weniger Tiere auf den Höfen gäbe, hätten alle Tiere ausreichend Platz, d.h. jedes Tier hätte mehr Quadratmeter ohne Neubauten und Erweiterungen zur Verfügung. Ein geringeres Angebot hat automatisch einen höheren Preis zur Folge. Und das Geld landet auch sofort beim Bauern. Außerdem sollte sie lieber bei den Discountern ansetzen und die Verramschung des Fleisches anprangern. (...)
Wenn die Bauern dafür demonstrieren, mehr Geld für ihre Produkte tierischer oder pflanzlicher Art zu bekommen, haben sie meine vollste Unterstützung, aber gegen mehr Umwelt-, Natur- und Tierschutz auf die Straße zu gehen und dafür auch noch Applaus und Zustimmung zu ernten, erschließt sich mir nicht, denn es ist ja nicht so, dass Verordnungen und Gesetze von heute auf morgen beschlossen werden, es gibt jahrelange Übergangsfristen zur Umsetzung, zum Beispiel Käfighaltung, schmerzlose Ferkelkastration..., ein Weiter so kann es nicht geben, siehe die Tonnen von zu vernichtendem Honig wegen zu hoher Glyphosatwerte, der erst jetzt getestete Grünkohl mit hoher Pestizidbelastung – finde es auch schade, dass es fast alles Jungbauern sind, die nicht bereit sind, den jahrelang beibehaltenen Kurs ändern zu wollen. Der Deutsche Bauernverband mit 285 000 Mitgliedern (schön, wenn man eine starke Lobby hat), wird schon dafür sorgen, dass sich so schnell nichts ändert.
Dem Konsumenten anzuraten, welches Fleisch er wann verzehren möge, ändert nichts an der Erlösemisere der Landwirte. Diese resultiert eher aus überhöhten Einfuhren (CO
Diese deutschlandweiten Trecker-Aufmärsche scheinen mir paramilitärisch organisiert zu sein. Mit Sicherheit gibt es eine Stabstelle, die diese Aktion bundesweit koordiniert. Es gibt regionale Stabsstellen, die die einzelnen Einsatzorte festlegen. Die willigen Treckerfahrer wissen teilweise überhaupt nicht, weshalb sie dabei sind. Frage eines Reporters: „Weshalb sind sie heute hier?“ Antwort: „Das weiß ich nicht. Es macht aber Spaß“. Oder eine weitere Antwort: „Wir Bauern denken generationsübergreifend. Wir möchten den Hof für die Kinder und Enkel erhalten.“ (...)
Und dann die Drohungen einzelner Funktionäre, dass diese Demo nur der Anfang sei, wenn nicht die Düngeverordnung so bleibt, wie sie ist. Sie möchten weiterhin mehr Gülle entsorgen, als die Pflanze als Dünger benötigt. Ackergifte möchten die Bauern auch weiterhin ausbringen, obwohl gerade bei einer Untersuchung von Bienenpollen ein Wirkstoff-Cocktail von 34 verschiedenen Pestiziden gefunden wurden. Und natürlich darf am Tierschutz nichts geändert werden.
Direkt unheimlich sind die Drohungen, wie es weitergeht, wenn die geplanten Änderungen nicht auf Eis gelegt werden. Als nächstes kommen wahrscheinlich weitere landwirtschaftliche Arbeitsgeräte wie zum Beispiel Mähdrescher. (...)
Wie bunt und vielfältig war dagegen die 10. Demonstration „Wir haben Agrarindustrie satt“ in Berlin. Hier demonstrierten 27 000 Bauern, Verbraucher, Imker, Köche, Bäcker etc. gemeinsam gegen die Agrarpolitik der Bundesregierung. (...)
