„Über Lobbyismus offen nachdenken“, Interview mit Prof. Dr. Reinhard Pfriem, Wirtschaft, 5. Dezember

Wirtschaftsprofessor Pfriem springt mit dem „Fall von Klaeden“ ungeniert auf den Skandalisierungszug der medialen Empörungsindustrie auf. Hier die Guten, da die Schlechten. Völlig überzogen spricht er im Zusammenhang mit den neuen EU-Abgasnormen von einer „katastrophalen Unterwerfung von Frau Merkel unter Teile der deutschen Automobilindustrie“ – den fairen Hinweis auf die politische Verantwortung, also auf das Vertreten wohlverstandener deutscher Interessen durch die Kanzlerin für die nachhaltige internationale Wettbewerbsfähigkeit dieser deutschen Schlüsselindustrie einschließlich der Interessen ihrer Beschäftigten und der Gewerkschaften blendet Prof. Pfriem einfach aus.

Die Frage der Verquickung von Lobbyismus und politischen Führungsämtern reduziert er schlicht auf die lobbyierende Wirtschaft – als gäbe es weder die massiv lobbyierende Sozialindustrie, noch die unzähligen Nicht-Regierungsorganisationen wie Attac oder Oxfam.

Ein flüchtiger Blick in das Handbuch des Bundestages könnte über die Vielfalt der Abgeordneteninteressen aufklären. Trotz aller Unvollkommenheiten (...) in unserer freiheitlichen Demokratie gilt: Interessenvertretung ist so notwendig wie legitim. Das fängt schon in der Familie an und hört nicht im Parlament auf. Wünschenswert wäre: Weniger professoraler „Ideologie-Elfenbeinturm“ – mehr Praxisnähe und nachhaltig wirkende Ausgewogenheit.

Sighart Nehring Oldenburg