„Moderne Ställe für das Tierwohl“, Landwirtschaft und Ernährung, 30. September

Der Präsident der Landwirtschaftskammer Niedersachsen, Johann Arendt Meyer zu Wehdel, schreibt: „Ich bin mir sicher, dass viele Kritiker noch nie in einem modernen Stall gewesen sind, bevor sie Vorwürfe formulieren.“ Als ehemaliger Veterinäramtsleiter in Südoldenburg habe ich Hunderte von Mastställen gesehen. Der Herr Präsident Meyer zu Wehdel weiß so wie ich, dass in der intensiven „Nutztier“-Haltung die Mäster heute häufig nicht mehr als „Freie Bauern“ agieren, sondern nicht selten als Vertrags- bzw. Lohnmäster in ein agrarindustrielles System eingebunden sind.

Herr Meyer zu Wehdel dürfte wissen, dass in der konventionellen Geflügelmast Masthühner und Puten auf Grund der Zucht- und Haltungsbedingungen in einem hohen Prozentsatz an Beinschäden, Sohlenballenverätzungen und Brustblasenentzündungen leiden.

Ihm dürfte bekannt sein, dass bei Puten, Moschusenten und Legehennen in Bodenhaltung bis zu 100 Prozent Schnabel-amputiert sind, obwohl dieses nach §6 Abs.1 des Deutschen Tierschutzgesetzes nicht zulässig ist. Herr Meyer zu Wehdel dürfte wissen, dass nach dem ab 2006 geltendem EU-weiten Verbot der so genannten „Leistungsförderer“ – treffender als Masthilfsmittel bezeichnet – der Antibiotikaeinsatz in der Tiermast keineswegs zurückgegangen, sondern angestiegen ist und zu einer Gefährdung der Volksgesundheit wird.

Im Oktober 2010 erklärte die Leiterin der Abteilung Verbraucherschutz und Tiergesundheit im Landwirtschaftsministerium, dass „in der Massentierhaltung der Einsatz von Antibiotika die Regel sei. Ohne Einsatz der Mittel schafften es die Hühner in großen Ställen häufig nicht, bis zum Ende ihrer Mastzeit zu überleben.“

Dr. Hermann Focke, Uplengen