Das Ansehen von Bauern und Bauernfamilien ist bei Umfragen nach wie vor sehr hoch – und das zu Recht. Unter „schwindender gesellschaftlicher Akzeptanz“ leiden allerdings agrarindustrielle Strukturen, mit denen Bauernhöfe eigentlich überhaupt nichts gemein haben, weil sie von denen aus dem Markt gedrängt beziehungsweise in Abhängigkeit gebracht(...) werden.
Deshalb, liebe Bauern, zieht Euch nicht weiter den Schuh der Agrarindustriellen an und lasst Euch auch von der Bauernverbandsspitze nicht in das lecke Boot der Geflügel- und Schweinebarone drängen – zieht aus Gründen des Überlebens und der Akzeptanz eine klare Grenze zwischen Bauernhöfen und Agrarfabriken! (...)
Es ist kaum zu glauben, wie heute in Tiermastbetrieben tonnenweise Antibiotika eingesetzt werden. (...) Bei einem derartig hohen Antibiotika-Verbrauch muss doch mit der Haltung und Fütterung von Mastvieh etwas nicht stimmen. Außerdem ist davon auszugehen, dass derartige Mittel gar nicht so selten illegal als Masthilfe eingesetzt werden.
(...) Der Plan von Landwirtschaftsminister Christian Meyer ist nicht hoch genug einzuschätzen, den Antibiotika-Einsatz in der Tiermast drastisch zu senken. Es erhebt sich allerdings die Frage, wie das unter den Bedingungen der Massentierhaltung gelingen soll.
Der WDR berichtete 2014 über multiresistente Keime in der Massentierhaltung. (...) Der Landkreis Oldenburg, mit Tierplätzen für rund 10 Millionen Geflügel, 500 000 Schweinen und 100 000 Rindern, gehört eindeutig mit zu diesen Massentierhaltungsregionen. Nach einer Studie der Universität Utrecht findet man MRSA in einem Stall-Umkreis von 1000 Meter in höherer Konzentration. Es gibt also im Landkreis Oldenburg kaum noch Plätze, an denen man sich gefahrlos aufhalten kann.
Bei 86 Prozent der beruflich Exponierten (Landwirte, Tierärzte) liegt eine Besiedlung mit LA-MRSA vor. Dieser Personenkreis hat ein 138-fach erhöhtes Risiko eine MRSA-Besiedlung zu erwerben, als nicht Exponierte im gleichen Umfeld. Es gehen jährlich mehr als 30 000 Tote auf multiresistente Keime zurück. (...)
Alle diese Fakten sind sind seit Langem bekannt. Wer hat eigentlich daran gedreht, dass im NWZ -Bericht vom 28. April diese Punkte nicht erwähnt wurden? (...)
