Ich würde das, was diese Mutter und ihr Lebensgefährte ihren beiden Söhnen angetan haben, als Folter bezeichnen.
Sie verprügelten sie, sperrten sie tagelang ein, zwangen sie, sich halbstundenlang in eiskaltes Wasser zu legen, setzten sie aus und ließen sie zehn Kilometer weit nach Hause laufen, wo weitere Prügel wartete.
Man stelle sich vor, die CIA hätte zwei Jungs aus Deutschland, sieben und 14 Jahre alt, so misshandelt. Nicht auszudenken, was für einen Proteststurm das gäbe! Jeder würde verlangen, dass die Täter hart bestraft werden, vermutlich auch Vertreter der Justiz.
Aber es war nicht die CIA, sondern es waren die Eltern. Zwei ganze Jahre konnten sie ihre sadistischen Neigungen ausleben, und jetzt gehen sie ungestraft nach Hause, weil ihre monströsen Taten der Jugendschutzkammer des Oldenburger Landgerichts mal gerade zwei Jahre auf Bewährung wert sind.
Es ist gut, dass Opfer sexueller Gewalt heute ernster genommen werden als früher. Die Justiz sollte aber endlich darüber nachdenken, auch Opfern gewöhnlicher, brutaler Gewalt ohne sexuellen Hintergrund Gerechtigkeit zu verschaffen.
Wenn Eltern ihre Kinder quälen, gilt das in Oldenburg offensichtlich immer noch als verzeihlich. Anders kann man sich dieses unfassbar milde Urteil kaum erklären.
Ein russischer Zigarettenschmuggler hat vor einer Woche fünf Jahre Gefängnis bekommen, aber der hat schließlich einen Steuerschaden von 20 Millionen Euro verursacht. Nicht, dass ich Zigarettenschmuggel verharmlosen möchte – man kann nur an diesen beiden Urteilen ziemlich gut erkennen, was der Justiz wichtig ist. (...)
