Die gesellschaftlichen Gruppen, die der Universität Oldenburg die Einladung von Prof Dr. Dr. h. c. Hans-Werner Sinn, gegen ihn protestierend, vorgeworfen haben, möchte ich fragen, warum sie vor einem Jahr, zur gleichen Veranstaltung, zur Einladung von Altbundeskanzler Gerhard Schröder, geschwiegen haben.
Ihr Bericht über die „Semesterauftakt“-Veranstaltung mit Prof. Sinn drückt sich um eine Stellungnahme, ob die Proteste gegen die Wahl dieses Redners berechtigt waren. Ich gehöre zu den Kritikern der Einladung und sehe nach der Veranstaltung die Kritik als gerechtfertigt. Sinn verkündete politische Statements, die nur Wirtschaftsinteressen und Staatsfinanzen im Blick haben, das Wohlergehen der Bürgerinnen und Bürger als Problem behandeln.
Weder der Uni-Präsident noch der Vorsitzende der Uni-Gesellschaft UGO konnten erklären, warum dieser oft genug im Fernsehen präsente Redner den Veranstaltungsgästen aus Hochschule und regionaler Wirtschaft seine altbekannten Wahrheiten vortragen sollte. Sinn hat jedenfalls keinen Versuch gemacht, wissenschaftlich zu argumentieren, und eine kontroverse Diskussion sollte nicht stattfinden. Insofern gingen die Argumente von Herrn Brinker als UGO-Vorsitzendem gegen die Kritiker ins Leere, dass in der Wissenschaft die streitige Auseinandersetzung wichtig sei.
Wenn Universität und UGO eine akademische Veranstaltung für die Öffentlichkeit planen, so darf man erwarten, dass Redner gewonnen werden, die für unsere Hochschule und unsere Öffentlichkeit wichtig sind. Wenn es schon ein ökonomisches Thema sein soll, dann könnte man besser etwa an Prof. Claudia Kemfert denken, die lange in der Oldenburger Uni gearbeitet hat und gegenwärtig zu den meistbeachteten deutschen Energieökonomen gehört: Das hätte viel mit unserer Hochschule und ihren Arbeitsschwerpunkten und auch viel mit der regionalen Wirtschaft zu tun.
Hat sich in Bezug auf Meinungsfreiheit an der Uni etwas verändert? Nach der von einigen Professoren, Studenten, dem AStA und Institutionen gewünschten Blockade des Vortrags von Prof. Sinn kann ich als erster Absolvent der Ökonomie der Carl-von-Ossietzky-Universität wie vor 40 Jahren Parallelen zur Verhinderung vielfältiger Diskussionen über gesellschaftspolitische Themen erkennen. Wie in der Vergangenheit wollen Ideologen einen fachlichen Diskurs verhindern. Ich wünsche der Universität auch vor dem Hintergrund des Vermächtnisses von Carl von Ossietzky Weltoffenheit, Meinungsfreiheit und Vielfältigkeit bei Diskussionen nationaler und globaler Herausforderungen. Die letzte Ausgabe von Ossietzkys „Weltbühne“ im März 1933 endete mit den Worten „Denn der Geist setzt sich doch durch“ – darauf sollten wir aber nicht nur vertrauen und uns für die (Meinungs-)Freiheit immer wieder einsetzen.
