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„Nach wie vor fehlen Erzieher – Zu wenig Fachkräfte in Niedersachsen – Unterschiede in Regionen“, Politik, 27. September
Es ist schon erstaunlich, mit wie viel fachlicher Kompetenz die Bertelsmann-Stiftung und die Familienpolitik das Thema von der falschen Seite her anpacken. Würden die existenziellen Bedürfnisse der Krippenkinder in den Fokus genommen, gäbe es keine Personalprobleme. Dann wüssten Eltern, dass es sich lohnt, mindestens zwei Jahre zu Hause bei ihren Kindern zu bleiben. Aber die von entwicklungspsychologischen Kenntnissen freien Politiker/innen treiben die Geschichte voran und die wissenschaftlichen Expert/innen ducken sich weg. So werden jetzt die sowieso schon stressbelasteten Krippenkinder und deren Erzieherinnen noch mehr belastet. Dabei geht es nur um zwei bis drei Jahre Schutzraum für die Kleinsten, die in dieser Zeit besonders ihre Mütter brauchen. Die Kosten für einen Krippenplatz, die zwischen 1000 und 1200 € im Monat liegen, könnten an diese Mütter als Ausgleich gezahlt werden. Dann ginge es allen besser: den Kindern, den Erzieherinnen und den Eltern.
Dr. Erika Butzmann
Wildeshausen
E
Die diesjährige Veröffentlichung der Studie der Bertelsmann-Stiftung ist endlich einmal nachzuvollziehen, da von Ganztagsbetreuung die Rede ist und die Zahlen somit statistisch stimmen. Ganztagsbetreuung bedeutet, die Kinder werden länger als sechs Stunden am Tag in ihrer Gruppe betreut. Diese Zeiten setzen Schichtarbeit bei den Erzieherinnen voraus. Allein wegen der Pausenregelungen muss ich eine Gruppe mit mindestens drei Erzieherinnen besetzen, wovon aber nur zwei gleichzeitig anwesend sind. Praktisch sieht es deshalb immer noch so aus, dass in Niedersachsen Regelgruppen im Kindergarten (über Dreijährige) mit 25 Kindern und zwei gleichzeitig anwesenden Erzieherinnen besetzt sind, egal ob Vormittags- oder Ganztagsgruppe. Somit ist eine Erzieherin für 12,5 Kinder zuständig, weil diese durchgängig und nicht in Schichten da sind. Im Krippenbereich (unter Dreijährige) mit 15 Kindern pro Gruppe ist eine Kollegin für fünf bis 7,5 Kinder zuständig. (...) Ich kann genauso folgendes berechnen: Wenn im Krankenhaus drei Pflegekräfte für eine Station mit 21 Betten verantwortlich sind, ist eine Krankenschwester – statistisch gesehen – für sieben Patienten verantwortlich. Gut. Jeder weiß aber, dass sich die Pflegekräfte auf Früh-, Spät- und Nachtschichten verteilen, was bei den Zahlen höchstens eine Notbesetzung ist. Somit gibt es für solche Studien und Statistiken nur einen Platz: die Tonne.
Elisabeth Spenner
Wildeshausen