„Forderung nach Recht auf Heimat“ und „Vorgeschichte der Vertreibung nicht verschweigen“, Hintergrund-Seite zur Vertriebenen-Charta , 5. August
Ich möchte auch einmal etwas zur Vertreibung beisteuern. Mich würde interessieren wie viel Vertriebene noch in diesen Vereinen sind? Der überwiegende Teil ist doch bestimmt der Nachwuchs der Vertriebenen. Ich bin auch Heimatvertriebener – aus der Niederlausitz. Ich bin mit meiner Mutter 1944 vor den Russen geflohen. Ich war vier Jahre alt und kann mich nur vereinzelt an meine damalige Heimat erinnern. Ich glaube, dass sehr wenige in dem Alter sich erinnern, wo sie herkommen !(...)
Peter Richter, Varel
Wer die Vorgeschichte schon bemüht, muss, wenn er glaubwürdig bleiben will, weit über 1933 zurückgehen. Die von Herrn Giordano benutzte Argumentation ist doch nichts weiter als eine versteckte Rechtfertigung der Vertreibung. Auch mit der viel zitierten erwähnten Befreiung hat dieser eklatante Verstoß gegen die Menschenrechte nichts zu tun. Die Vertreibung ist und bleibt ein mit nichts zu rechtfertigendes Verbrechen, das nicht mehr rückgängig zu machen ist.
Dessen ungeachtet ist es nach den geschaffenen Tatsachen die Aufgabe aller Deutschen, sich im versöhnenden Geist der Charta der Vertriebenen für die Verständigung mit Polen und für ein wirklich geeintes freiheitliches Europa einzusetzen. Das gleiche muss auch von Polen erwartet werden. Die Vertriebenen haben sich vor 60 Jahren zu einem Europa bekannt, in dem die Völker ohne Furcht und Zwang leben können. Sie haben die Völker aufgefordert, so zu handeln, wie es ihren christlichen Pflichten und ihrem Gewissen entspricht. Der Kniefall von Willy Brandt in Wahrschau ist in diesem Sinne der sichtbare Ausdruck der Charta der Heimatvertriebenen. Kein Volk, dem Unrecht zugefügt worden ist, hat sich zu einer der Charta der Vertriebenen vergleichbaren Erklärung durchgerungen.
Jedes kleinliche Herumnörgeln an dem zeitgeschichtlich bedeutsamen und zugleich mahnenden Dokument ist für die Verfolgung der in der Charta der Vertriebenen genannten und noch längst nicht erreichten Ziele in keiner Weise hilfreich. Es sollte endlich auch in Achtung vor den Opfern der Vergangenheit gehören.
Horst Milde, Oldenburg
Die Stuttgarter Charta ist eine Geste guten Willens der deutschen Heimatvertriebenen. In der Schrift wird das Recht auf Heimat gefordert und ein Verzicht auf Rache und Vergeltung erklärt. Diese Willenserklärung friedliebender Menschen sollte nicht von dauernd mäkelnden Politikern kleingeredet werden. Polen und andere Länder haben unter dem von den Nazis verschuldeten Zweiten Weltkrieg unsäglich gelitten. Die Verursacher waren aber nicht die 15 Millionen Vertriebenen aus dem Osten, sondern Hitler mit seinen 150 000 führenden Nationalsozialisten. (...)
Sogar der ehemalige polnische Ministerpräsident Jaroslaw Kaczynski sagt nach einem Bericht derNWZ
vom 28. Mai sinngemäß: „Die Verwirklichung des Rechts auf Heimat würde zur Rückkehr der Deutschen in ihre Heimatländer Schlesien, Ost- und Westpreußen und Pommern führen“.Dieses geraubte Land kann den jetzigen Bewohnern keine Heimat sein, wenn sie ein gesundes Rechtsempfinden haben.
Manfred Pradel, Oldenburg
Herr Giordano weist auf die Vorgeschichte der Vertreibung hin. Ich würde ihm zustimmen. Aber er bringt nur einen Teil. Was war vor Hitler? Außerdem verschweigt er die Äußerungen der UNO zu den Vertreibungen und Annexionen.
Bernhard Thiel, Varel
