„Gefahrgut aus dem Puten-Stall – Vogelgrippe: Fragen und Antworten zur Geflügelpest“, Oldenburger land, 29. Dezember

Geflügelpest, alle Jahre wieder! (...) Zigtausende Tiere müssen sterben, werden geschreddert. In Barßel das zweite Mal im selben Stall. Warum nur? Ursache nicht feststellbar? Als Laie würde ich sagen: Zu viele Tiere für zu lange Zeit in einem zu kleinen Raum eingesperrt. Da muss das Geflügel ja krank werden. Wenn dieselbe Anzahl Menschen in einem so kleinen Raum für drei bis fünf Monate eingesperrt werden, könnte ich mir gut vorstellen, dass dort auch eine Krankheit ausbrechen würde.

Wird mal ein wildlebender Vogel tot aufgefunden, der auch von dieser Krankheit befallen ist, so hat er sich das bestimmt eingefangen, weil er sich zu nah bei so einer „Geflügelmastmaschine“ aufgehalten hat oder zu nah an einem Geflügelmisthaufen Nahrung aufgenommen hat. (...)

Siegfried Heinel Barßel

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Mehr als 200 000 Puten sind bereits getötet worden seit Ausbruch der Geflügelpest. Keulung heißt das im Fachjargon. Als effektive Methode findet derzeit die Stallbegasung Anwendung, bei der CO2 in den hermetisch abgedichteten Stall geleitet wird. Wie die Tötung abläuft und was hinter den Stallmauern geschieht, wird (...) dem Verbraucher verschwiegen. Es ist kaum anzunehmen, dass alle Tiere friedlich einschlafen. Erstickungsgefühle durch langsamen Anstieg der CO2-Atmosphäre, Panik durch Zischen des einströmenden Gases, Reizung der Atemwege durch entstehende Kohlensäure, Temperaturstürze bis weit in den Minusbereich verursachen erhebliche Leiden und Schmerzen. Selbst wenn das nur bei einem Teil der Herde geschieht, ist es ethisch nicht vertretbar.

Dr. Hans-Heinrich Fiedler Oldenburg

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Was das massenhafte Putensterben betrifft, so sind angeblich bisher nur ganz wenige Wildvögel, Hühner oder Puten an dem H5N8-Virus gestorben. Die restlichen inzwischen mehr als 230 000 gesunden Hühner und Puten sind an Kohlendioxid-Vergiftung gestorben – oder besser gesagt: „vorsorglich“ getötet worden. Selbst die inzwischen mehrwöchige Stallpflicht für Freilandgeflügel hat sie nicht davor geschützt. Wie auch? Wenn Tiere auf engstem Raum zusammengepfercht werden, wird die Infektionsgefahr für die Tiere nicht verringert, sondern erhöht.

Außerdem ist der Virustyp H5N8 seit dem ersten Ausbruch 1985 in Island bekannt, und trotzdem gibt es gegen diese Viren nach inzwischen 30 Jahren noch immer kein Medikament, das die Infektionen verhindern könnte. Das liegt sicherlich daran, dass Viren grundsätzlich keine Lebewesen sind, sondern nur Bruchstücke der DNA oder RNA pflanzlicher, tierischer oder menschlicher Zellen. (...) Außerdem wiederholen sich Viruserkrankungen zyklisch jeweils im Spätherbst und im Frühjahr mehr oder minder stark (...). Das gilt auch für Menschen (...). So sind nun einmal die Naturgesetze.

Und wenn man sich die bekannten „Nebenwirkungen“ der Massentierhaltung anschaut und das Virus als alleinigen Verursacher aus dem Fokus nimmt, so könnte die Ursache auch darin liegen. Es wäre also sicherlich nicht nur im Sinne der Tiere, wenn sich die Verantwortlichen für die Massentierhaltung einmal vorstellen würden, selbst Pute/r zu sein. Dann würden sie sich vielleicht weniger mit der Bekämpfung der Viruserkrankungen, sondern mehr mit deren Vermeidung beschäftigen. (...)

Klaus Schulze Bad Zwischenahn

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Ich bin von den Bildern, aus Zeitung und Fernsehen immer wieder geschockt, wie mit den Tieren umgegangen wird. Mit großen Schaufeln werden die Puten, nachdem sie begast worden sind, auf Lkw geladen. Ich muss dann immer daran denken, wie viele Tiere davon wohl noch leben. Einfach grausam! Aber man sieht nicht mehr ein Lebewesen aus Herz und Blut, sondern eine Industrieware. Das ist die Massentierhaltung.

Ich frage mich: Wie kann es angehen, dass jedes Jahr um die gleiche Zeit die Vogelgrippe wieder ausbricht? Liegt etwa der NWZ -Leser richtig mit seiner Vermutung, dass es nur Geschäftemacherei ist, um sich die übrig gebliebenen Bestände von der Tierseuchenkasse bezahlen zu lassen? Oder liegt es vielleicht daran, dass der Erreger einen ganz anderen Ursprung hat, nämlich in der Massentierhaltung? (...)

Fakt ist, dass wir alle wissen, dass die Massentierhaltung in der Kritik steht. Und trotzdem werden immer mehr Mastbetriebe gebaut. Natürlich weiß ich auch, dass viele Existenzen davon abhängen. Aber man muss sich dann auch die Frage stellen: Soll das immer so weitergehen? (...) Wenn jeder Bürger ein- bis zweimal in der Woche auf Fleisch verzichtet, ginge der Verzehr zurück und die Massentierhaltung würde sich reduzieren. Und mal ehrlich: Würde uns das Fleisch nicht auch besser schmecken, wenn wir wüssten, dass das Tier artgerecht (...) aufgewachsen ist? Denn eins ist sicher: Der Verbraucher hat die Macht!

Marlene Zahn Apen