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NWZonline.de Nachrichten Politik Kommentare & Meinungen Leserbriefe

Über die Wertevermittlung im Land

27.07.2019
Betrifft: „Gefährlicher Trend“, Kommentar von Jürgen Westerhoff zu den Kirchenaustritten, Meinung, 20. Juli

Mit Erstaunen habe ich den Kommentar von Herrn Westerhoff zum Kirchenaustritt gelesen. Ich bin zwar schon über 70, lebe aber wahrscheinlich in einer anderen Zeit als Herr Westerhoff. Ich weiß von der Forschung der Astronomen und sehe es wie viele Wissenschaftler, zum Beispiel Herrn S. Hawking, dass da in unserem Universum kein Platz für einen Gott ist. Ich habe mich aus nur diesem Grund von der Kirche getrennt. Weil ich an das nicht glauben kann. Die sogenannten gewaltigen Arbeiten werden heute schon zum größten Teil vom Staat bezahlt, sodass für uns hier keine Belastung aufkommt. Der Staat würde sogar noch entlastet, wenn er den Kirchen kein Geld mehr zahlen würde für Enteignungen an den Kirchen von Napoleon. Was versteht Herr Westerhoff unter christlichen Werten, die meisten Werte wurden gegen die Kirchen durchgesetzt.

Als Frechheit empfinde ich die Worte, dass wir ohne Kirche nichts mehr über Gut und Böse, Gleichgültigkeit und Selbstsucht statt Solidarität, Verantwortung und Nächstenliebe wissen. Als Humanist in Oldenburg fühle ich mich beleidigt. Ich würde Herrn Westerhoff empfehlen, sich doch mal bei den Humanisten in Oldenburg über ein Leben ohne Religion zu informieren und sich bei allen Menschen, die ohne Religion leben, zu entschuldigen. Auch könnten die Humanisten ihm erklären, was man unter human versteht.

Otto Brüggmann
Höltinghausen

Eine druckvolle Meinung, die Herr Westerhoff da präsentiert. Machen wir doch den Faktencheck.

Die Einrichtungen und Dienstleistungen der großen kirchlichen Sozialorganisationen, also Krankenhäuser, Alten- und Pflegeheime, Kitas und vieles mehr, werden heute schon nahezu ausschließlich von Staat und Kommunen, Kranken- und Pflegekassen bezahlt. Trotzdem nehmen sie weltanschaulich Einfluss und haben ein eigenes Arbeitsrecht. (...)

In diesem Jahr werden 549 Millionen Euro allgemeine Steuermittel an die beiden Großkirchen gezahlt, ohne Gegenleistung für die Allgemeinheit. Seit genau hundert Jahren besteht der Verfassungsauftrag, diese Transfers zu beenden (...).

Niemand wird den kirchlichen Ehrenamtlern ihr soziales Engagement schlechtreden oder streitig machen wollen. Ehrenamtliche Tätigkeit wird allerdings seit jeher und erst recht heute auch außerhalb kirchlich-religiöser Bezüge erfolgreich geleistet.

„Christliche Werte“ sind zum guten Teil ein begriffliches Missverständnis: Gesellschaftliche Teilhabe, soziale Solidarität, Mitmenschlichkeit und Verantwortung, Demokratie sowie das moderne Konzept der unveräußerlichen Menschenrechte sind mit der Aufklärung und dem Aufblühen der (Natur)Wissenschaften überwiegend gegen die Kirchen erkämpft worden. (...)

Den kirchenkritischen und religionsfernen Menschen Gleichgültigkeit und Selbstsucht – oder deren Förderung – zu unterstellen, ist eine ungeheuerliche Anmaßung.

Rainer Marczinowski
Oldenburg

Ein Dankeschön an Herrn Westerhoff! Gern wird über die Kirche Negatives berichtet nach der Devise: Bad news are good news.

Hier lesen wir einmal etwas von der anderen Seite.

Bernhard Thiel
Varel

(...) Die beschriebene Aufgabenfülle der kirchlichen Einrichtungen wird eben nicht durch die Kirchensteuer finanziert, (...) kirchliche Krankenhäuser, Sozialstationen, Bischofsgehälter und die Ausbildung des kirchlichen Personals bezahlen alle Bürgerinnen und Bürger, auch konfessionslose und andersgläubige, kräftig mit durch die Einkommensteuer.

Selbst die teuren Kirchentage werden von den jeweiligen Städten mit Millionen gefördert.

Die staatlichen Zuwendungen aus Steuergeldern belaufen sich jährlich auf 18-20 Milliarden€. Die Kirchensteuer, welche trotz der vielen Austritte gestiegen ist, (durch höhere Steuereinnahmen) wird von den Kirchen zum größten Teil für interne Anschaffungen und Missionsarbeit ausgegeben.

Der von Westerhoff befürchtete Bedeutungsverlust christlicher Werte – angeblich werden die Menschen nichts mehr über Gut und Böse wissen, Selbstsucht statt Solidarität und Nächstenliebe – sind nicht hinnehmbare Thesen gegenüber allen Humanisten, Freidenkern, Agnostikern und Atheisten. Herr Westerhoff: Sind nur Christen gute Menschen?

Ich persönlich fühle mich als religionsfreier Humanist verunglimpft.

Peter Blohm
Oldenburg

Der oben genannte Kommentar des Herrn Westerhoff geht mir mächtig gegen den Strich!

Ich bin inzwischen Humanist im HVD Niedersachsen/Oldenburg (...). Mein Gefühl für Recht und Unrecht, mein oder dein habe ich deswegen aber nicht verloren! Die Meinung des Herrn Westerhoff finde ich mehr als anmaßend! Das ist, meines Erachtens, eine Diskriminierung all jener die sich wie ich, den Schritt des Austrittes, sehr wohl gut überlegt haben.

Sind es nicht die Kriege der Religionen weltweit, die für viel Hunger, Not und Elend verantwortlich sind und waren? Gibt es nicht, sowohl in der katholischen als auch evangelischen Kirche, Vorfälle des sexuellen Missbrauchs? Nach welchem Maßstab „für gut und böse“ wird denn da gemessen? Außerdem... all die Institutionen – ob Kindergärten, Krankenhäuser oder Altenheimen und so weiter –, wo „katholisch oder evangelisch“ drauf steht, werden nicht (nur) von den Kirchen finanziert! Den weit größeren Teil der Bezahlung dieser Einrichtungen zahlt der Staat, somit alle Steuerzahler, somit auch ich!

Meinen Schritt, aus der Kirche auszutreten, hatte gute, sehr persönliche, Gründe, ich habe meine neue Heimat beim HVD gefunden.

Dort fühle ich mich wohl.

Angelika Salzburg-Reige
Ahlhorn

Ich wünsche mir, dass Ihr Kommentar eine breite gesellschaftspolitische Debatte anstößt. Der stetige Rückgang an Kirchenmitgliedern und der damit verbundene Anstieg des Anteils Konfessionsfreier in der Gesellschaft darf nicht ohne Auswirkungen auf die gesellschaftspolitische Debatte und politische Entscheidungsprozesse bleiben. Es wird Zeit, dass der seit der Weimarer Republik bestehende Verfassungsbruch aufhört und endlich der Paragraph 4 des Grundgesetzes „Trennung von Kirche und Staat“ umgesetzt wird. Religionsfreiheit schützen heißt auch, die Anliegen Konfessionsfreier hinreichend zu würdigen. Ich empfehle aus der ARD Mediathek den Film „Ewige Schulden“ zu schauen. Die von allen gezahlte Subventionierung der Kirchen wäre besser in Bildung und freien Eintritt in Museen investiert.

Axel Kittel
Zetel

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