Die Weltoffenheit einer Universität äußert sich nicht durch beispielsweise positive Bewertung ungebremster Migration, vielmehr ist eine Universität ein Ort des Diskurses, ein Prüfstand für unterschiedliche Lehrmeinungen und Theorien. Der Standpunkt der Universität Oldenburg ist daher nur zu begrüßen. Auch ist die Tatsache, dass die Veranstaltung ausgebucht ist, ein Nachweis für das große öffentliche Interesse an diesem profilierten für viele auch unbequemen Wissenschaftler.
(...) Wenn der AStA nun die Einladung als einen Fehler bezeichnet, sollte er sich bewusst sein, dass ein falscher Eindruck entsteht. Denn so entsteht der Eindruck, der AStA sei gegen Sinn, da er keine „linke“ Meinung vertritt.
Für Professor Ruschig, der Marx und Adorno lehrte, wurden Unterschriften gesammelt. Auch hier findet man gute Argumente, warum allein schon die Grundannahmen von Marx nicht mehr zeitgemäß oder schlicht falsch sind. Der AStA sollte hier doch ein wenig sensibler Vorgehen, denn so entsteht ein Eindruck: Der AStA misst mit unterschiedlichen Maßen.
Dabei ist gerade Herr Sinn ein streitbarer Zeitgenosse, an dem sich besonders die Kritik am Neoklassizismus widerspiegelt. Doch statt aus der Einladung ein Politikum zu machen, wäre es besser die Einladung als Chance zu verstehen. Eine Chance dazu, die klassischen Lehren der Volkswirtschaft zu hinterfragen. Eine Chance dazu, Herrn Sinn mit Argumenten zu begegnen.
Das Bündnis, was sich gegen die Einladung Sinns gestellt hat, begründet unter anderem damit, dass Herr Sinn für Atomkraft sei. Dabei sollten wir nicht vergessen, dass Kritik an der Energiewende zum Teil durchaus berechtigt sein kann. Auch die Kritik an der Griechenland-Rettung begründet sich auf ökonomisch sinnvollen Argumenten, auch wenn es viele gute Argumente dafür gibt. (...) Es ist das gute Recht eines jeden, das Für und Wider abzuwägen, und zu einem anderen Schluss als Herr Sinn zu kommen. Dennoch sollte der AStA nicht den Eindruck aufkommen lassen, aus politischen Gründen gegen Herrn Sinn Stimmung machen zu wollen. Meinungs- und Forschungsfreiheit heißt auch, andere Meinungen zuzulassen und um die besseren Argumente zu ringen.
