Berichte und Kommentare über die Plagiatsaffäre um zu Guttenbergs Doktorarbeit sowie seinen Rücktritt

Also auf Studenten nach Bayreuth! Dort wird eure Doktorarbeit nur flüchtig quergelesen und mit dem Stempel „Bestanden – Summa cum laude“ versehen!

Wenn die Mitarbeiter der Universität Bayreuth sorgfältig gearbeitet hätten und Herrn zu Guttenberg sofort seine Doktorarbeit um die Ohren gehauen hätten, wäre uns diese ganze zeit- und kraftraubende Diskussion erspart geblieben. (...)

Hildegard Ahlers, Varel

Ich traute meinen Augen nicht, als ich lesen konnte, Professor Dr. Peter Häberle von der Universität Bayreuth, der Doktorvater von Karl Theodor zu Guttenberg geht auf Distanz zu seinem ehemaligen Studenten!

Wenn Herr zu Guttenberg in seiner Doktorarbeit abgeschriebene Passagen eingebracht hat – es war natürlich ein unverzeihlicher Fehler – hätte der Doktorvater es als erster merken müssen, denn ein Doktorvater begleitet seinen Doktoranden auf Schritt und Tritt. Hat er das nicht gemerkt, stellt man sich die Frage, ob er seinen Pflichten als Doktorvater überhaupt nachgekommen ist. Eigentlich hätte der Doktortitel überhaupt nicht verliehen werden dürfen und da hat eben Herr Prof. Dr. Peter Häberle einen gewaltigen Fehler begangen, für den er sich entschuldigen müsste. (...)

Uwe Schuster, Rastede

Na endlich, das Rechts- u. Moralverständnis der politischen Gut-Menschen (gerade der aus der Opposition) hat gesiegt! Es stellt sich allerdings die Frage, ob wir es uns in der heutigen Zeit erlauben können, Polit-Profis vom Schlage Guttenbergs mit vorgeschobenem Moralgeheuchel einfach abzusägen.

Bei seiner Doktorarbeit vor sieben Jahren hat er die Grenzen von Anstand und Moral überschritten – dafür hat er die Konsequenzen zu tragen. Wäre es im vorliegenden Fall nicht sinnvoller gewesen, einen zu Guttenberg „unter Bewährungsauflagen“ weiter zu beschäftigen?

Jochen Koopmann, Varel

Herr zu Guttenberg möchte jetzt die Presse für seinen Niedergang verantwortlich machen. Aber: Der deutschen Presse sei Dank, dass sie nichts verschwiegen und nichts vertuscht hat! Sie hat dem guten Ruf Deutschlands gedient!

Käthe Nebel, Oldenburg

Was Deutschland sich hier gegenüber Herrn Guttenberg geleistet hat, ist unter aller Würde. Ich schäme mich für unsere „Volksvertreter“

Andreas Lohse, Edewecht

Merkel sprach das Wort „alternativlos“ kaltschnäuzig anlässlich des Bruchs der Währungsverfassung im Euro-Raum. Rolf Seelheims Einsatz desselben Begriffes für den Rücktritt Guttenbergs lässt sich mit dem Gedanken verknüpfen, die Kanzlerin habe die Plagiatsaffäre seelenruhig schleifen lassen. So konnte der Delinquent seinen Abgang als Heldentenor inszenieren. Auch hier wie immer beim Exminister Operette statt Oper. (...) Besser als Stefan Sasse in seinem Geschichtsblog () kann es nicht geschrieben werden: „Nichts an dem Freiherrn außer dem Gel in den Haaren ist echt: die Vita frisiert und von Anfang an nur möglich durch den außerordentlichen Reichtum des Hauses, die interessanten Wegstationen frei erfunden oder aufgebauscht, die eigenen Leistungen deutlich beschönigt und letztlich nichts geleistet, außer in den Mechanismen dieser Elitenreproduktion nicht indiskutabel aus dem Rahmen zu fallen – bis jetzt.“ Gut, dass der Baron mit seinem Talmi aufgeflogen ist, bevor ihn sein Falschgold gar ins Kanzleramt geführt hätte.

Alfred Pfeiffer, Wardenburg

Hurra! Die Hetzjagd war erfolgreich, das „Wild“ hat aufgegeben! 100 Punkte für die überaus detaillierte Berichterstattung der Medien, ebenso für die Scheinheiligkeit der Opposition, allen voran die SPD! Auch die Empörung der Wissenschaft gegen den „Nestbeschmutzer“ „verdient“ ein Hurra. Meine Meinung zu allem: Pfui Teufel!

Christine Brüning, Dötlingen

Herzlichen Glückwunsch, Deutschland! Es ist mal wieder geschafft, einen der besten und fähigsten Politiker unseres Landes aus seinem Amt zu vertreiben. Besten Dank ihr fehlerfreien Menschen. Das habt ihr gut gemacht. Jetzt zufrieden?

Hans-Christian Langner, Zetel

(...) Wie viel Schlampigkeit gehört dazu, dass Experten über 180 Plagiate nicht erkennen, übersehen oder gar dulden? Haben sie nur in Bayreuth so schlampig geprüft oder ist es deutschlandweit so einfach mit Plagiaten ein „summa cum laude“ zu erreichen? Geradezu putzig ist es, dass ausgerechnet jetzt eine Biografie über zu Guttenberg erschienen ist, die ihn als notorischen Blender und Schönschreiber darstellt. (...)

Jürgen Waschek, Oldenburg

Der CSU Politiker soll abgeschrieben haben. So weit, so gut. Aber wer prüft denn die Unterlagen bzw. die Zeilen, die vom Prüfling abgegeben werden? Werden alle Doktorarbeiten überhaupt geprüft? Es ist hier ein großes Fragezeichen entstanden. Warum wurde die Arbeit des Herrn zu Guttenberg erst jetzt von einem Juraprofessor aus Bremen geprüft? Es wäre auch von hohem Interesse zu erfahren, wer den Auftrag zur Prüfung gegeben hat. Es scheint so, als handele es sich hier um eine gezielte Kampagne. Der Minister zu Guttenberg war zu gut, es musste ein Stein gefunden werden, denn er könnte ja gefährlich werden. (...)

Hans-Gerd Harms, Howiek

Nach dem geglückten Abschuss des Ministers zu Guttenberg bleiben für mich einiger Fragen im Raum stehen.

Was treibt einen Professor der Universität Bremen an, sich die Doktorarbeit eines Politikers, die ja schon einige Jahre alt ist, genauer anzusehen? Ausgerechnet jetzt, wo dieser in der Publikumsgunst ganz oben steht und bereits als künftiger Kanzlerkandidat der Union gehandelt wird?

In der Opposition ist kein Gegenkandidat weit und breit auszumachen. Ist dieser Wissenschaftler nicht genügend ausgelastet, hat er sich gelangweilt? Oder war es vielleicht eine Auftragsarbeit und von wem? Wird sich der Herr Professor eventuell ebenfalls die Doktorarbeiten prominenter Oppositionspolitiker demnächst genauer ansehen und sie durch den Uni-Computer jagen? (...)

Martin Klimmeck, Oldenburg

Die eigentliche Frage zum Thema „Guttenberg“, wer eigentlich den Stein ins Rollen gebracht hat, d.h., wer eigentlich ein Interesse daran gezeigt hat, die Doktor-Arbeit zu „durchforsten“, um Herrn zu Guttenberg bloßzustellen, ist bis jetzt meiner Meinung nach noch nicht gestellt oder bekannt! Doktortitel werden bekannterweise seit eh und je mitunter gekauft oder in Auftrag gegeben, ohne hinterfragt zu werden! Ebenfalls darf eine Uni, samt Doktor-Vater, nur weil sie von der Familie zu Guttenberg gesponsert wird, nicht über „Unregelmäßigkeiten“ in der besagten Doktorarbeit hinwegsehen und andere für das eigene Versäumnis verantwortlich machen!

Margarete Schulz, Brake

Das Deprimierende an der „Guttenberg-Affäre“ ist weder das offenkundige, ethische Versagen eines Ministers, noch der durchsichtige Versuch der Opposition, dieses Versagen zu instrumentalisieren. Das Deprimierende ist, dass eine Gesellschaft, die politische Reife und Kompetenz für sich in Anspruch nimmt, in Kenntnis des Sachverhalts mehrheitlich ihre Sympathie für einen Blender bekundet.

Christian Nolte, Oldenburg