(...) Ferien, Herr Reichenbachs, sind unterrichtsfreie Zeit, nicht arbeitsfreie Zeit. Da werden die von Ihnen so verehrten konservativen Gymnasialdirektoren aus dem Philologenverband dieses Jahr ihren Urlaub wohl mal so einrichten müssen, dass alles klappt. Immerhin haben sie diese Situation doch so gewollt und gar vor Gericht erstritten. (...)
Jeder Branchenverantwortliche oder Konzernmanager würde sich glücklich schätzen, wenn er derart verlässliche Zahlen zur Personalprognose zur Verfügung hätte wie das Schulwesen: Bereits mit sage und schreibe sechs Jahren Vorlauf (!) könnten die Verantwortlichen aufgrund der Geburtenzahlen sehr verlässlich den zukünftigen Lehrerbedarf ermitteln. Vorausgesetzt, es herrscht stabiler Betrieb, der nicht durch Experimentierfreude („Jugend forscht“ für Kultusminister) und sogenannte Reformen (unter Reform ist ja eigentlich zu verstehen: „Zurück zu Bewährtem“ und nicht „mal sehen, ob das funktioniert“) durcheinander gebracht wird.
Einheitliches System, insbesondere beim Abitur, wäre für Gesamtdeutschland dringend nötig aus mindestens drei Gründen: Zum einen könnten sich Lehrer auf einheitliche Lehr- und Lerninhalte einstellen (und auch problemlos von einem in ein anderes Bundesland wechseln), bei Umzügen der Eltern hätten Kinder keine Probleme (Motto: Vater versetzt, Kind nicht versetzt!), und für den berufliche Einstieg (...) wären (...) gleiche Standards gegeben.
Wer folgt endlich den Experten, die schon längst eine Verbesserung (...) predigen? Da hilft wohl nur ein Machtwort von höchster Stelle, denn ich habe bisher nicht erlebt, dass sich die im Stile von Duodezfürsten agierenden Landes-Kultusminister von berechtigten Einwänden der Eltern oder des Philologenverbandes/der Lehrer beeindrucken ließen. Und das alles wird auf dem Rücken der Lehrer/Eltern/Schüler ausgetragen (Kosten, Nerven, Lebenszeit).
Waren das noch herrliche Zeiten, als in der ersten Regierung der jungen BRD noch ausgewiesene Experten ihren Ministerien vorstanden! Nur deshalb konnte das Land aufblühen. Möge verhindert werden, dass dies durch dilettantisches Handeln verspielt wird.
Zum einen muss man anerkennen, dass die Landesregierung nicht versucht, das Problem in irgendeiner Form auszusitzen. Sie scheint wirklich gewillt, die nötigen Lehrerstellen möglichst zügig zu schaffen. Neben der im Artikel erwähnten Benachteiligung der Gymnasien im Wettbewerb um qualifizierte Nachwuchskräfte ergibt sich aber noch eine weitere Ungerechtigkeit. Von den 200 Gymnasiallehrerinnen und -lehrern, welche mangels ausgeschriebener Stellen an eine Gesamtschule (...) gegangen sind, dürfte ein nicht unerheblicher Teil ursprünglich das Gymnasium als zukünftigen Arbeitsplatz anvisiert haben.
Die Forderung muss also lauten, diesen einen möglichen Wechsel an ein Gymnasium so leicht und unbürokratisch wie möglich zu gestatten. Dies würde gleichzeitig die zuerst angesprochene Benachteiligung zumindest in Teilen kompensieren.
