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NWZonline.de Nachrichten Politik Kommentare & Meinungen Leserbriefe

Widerspruch gegen Israel-Analyse

11.07.2020
Betrifft: „Neue deutsche Oberlehrer – Warum die möglichen ’Annexionen’ Israels in Wirklichkeit keine sind“, Analyse von Alexander Will, Meinung, 3. Juli

Man fragt sich, wie diese „Analyse“ von Herrn Will gemeint sein kann. Präsentiert sich Herr Will wieder einmal als brutalstmöglicher populistischer Agitator oder als satirischer Provokateur der NWZ-Redaktion? Von einer ernstzunehmenden Analyse der Situation und des Themas kann kaum die Rede sein. (...)

Herr Will zieht wieder einmal alle Register der Agitation und Manipulation: Gezielte Wortwahl und Formulierungen – gezielte einseitige Auswahl von Fakten. Da ist die Rede vom „staatsfreien“ Terrain der Westbank, vielleicht vergleichbar mit den freien Indianer-Territorien damals im Wilden Westen? Die Rede von Ausdehnung der Souveränität, vielleicht vergleichbar mit der Heimführung ins Reich, die Nazi-Deutschland einigen Nachbarstaaten hat zuteilwerden lassen? Da wird die historische Verbindung des jüdischen Volkes mit den „biblischen“ Mandatsgebieten Samaria und Judäa formuliert; fehlt nur noch die göttliche Verheißung, die oft bei Kriegshandlungen herhalten muss. (...)

Hermann Meiners Rastede

Mit der Deklaration des britischen Außenministers Balfour von 1917 war den Juden die Gründung eines eigenen Staates in Palästina zugesichert worden; die Rechte dort bestehender Gesellschaften sollten dabei unangetastet bleiben! Soweit Konsens der Siegermächte England und Frankreich nach 14/18! Inzwischen sind es nicht mehr nur die „geschichtsbelasteten Deutschen“, die Benjamin Netanjahus und von Donald Trump begeistert unterstützten Annexionsgelüste verurteilen: „Den Nachkommen der Gaskammerwärter (...)“ zu empfehlen, „einfach ’mal die Klappe zu halten, wenn es um die Sicherheit und Zukunft Israels geht“ (Originalspreche Dr. Will), ist nach Inhalt und Wortwahl ein gezielt eingesetzter Fauxpas, der so manchen NWZ-Leser wohl gründlichst vergrätzen dürfte! Und ob es sich nicht doch um eine Annexion von Teilen Judäas und Samarias handelt, wenn Netanjahu diese Landstriche unter „die Souveränität Israels zu stellen gedenkt“ (Dr. Will nennt das „geltendes Militärrecht durch die eigene Rechtsordnung ersetzen!“), bleibt „in Wirklichkeit“ höchst fraglich!

Ernst Georg Lühring Huntlosen

Der Autor Dr. Will verdonnert mit rüden Worten die Deutschen und damit auch sicherlich seine Leser zu diesem Thema „einfach mal die Klappe zu halten“. Ich würde dieser Aufforderung auch gerne nachkommen, wenn er in seinem Artikel nicht wesentliche Dinge unerwähnt gelassen hätte. Der Begriff der Annexion ist völkerrechtlicher Natur und sollte auch entsprechend behandelt werden. Die komplizierte Rechtslage im Nahen Osten war immer umstritten, ist aber völkerrechtlich mehrfach in dem dafür zuständigen Gremium, dem Sicherheitsrat der Vereinten Nationen, behandelt worden. Die entscheidenden Resolutionen werden von Herrn Dr. Will (...) ausgespart.

Zu erinnern ist zunächst an die Resolution 242 vom Dezember 1967, also ein halbes Jahr nach dem Sechstagekrieg. Darin wird erklärt, dass die Verwirklichung der Grundsätze der Charta im Nahen Osten den „Rückzug der israelischen Streitkräfte aus den Gebieten, die während des jüngsten Konflikts besetzt wurden“, verlangt.

In der Resolution 2334 des Sicherheitsrates vom 23. Dezember 2016 (...) wurde die Gültigkeit der Resolution von 1967 bekräftigt. Israel wurde danach verpflichtet, jegliche Siedlungstätigkeit einzufrieren und alle seit März 2001 errichteten Siedlungsaußenposten abzubauen. Es folgt dann der Satz: „Es wird festgehalten, dass nur solche Änderungen der Linien vom 4. Juli 1967, einschließlich in Bezug auf Jerusalem, zukünftig anerkannt werden, die die Parteien auf dem Verhandlungsweg vereinbaren.“

Mir liegt es fern, diese Resolutionen zu kommentieren. Ich halte dazu also meine Klappe. Die Resolutionen sind aber auch aus sich heraus verständlich.

Joachim Reese Oldenburg

Herr Dr. Will hat am 19. Juni in der NWZ darauf verwiesen, dass der Bericht der Taz zur Entsorgung von Polizisten auf den Müllhaufen von der Meinungsfreiheit gedeckt wird (...). Dieser Einschätzung kann ich schweren Herzens folgen, was mir bei einem weiteren Artikel nicht gelingt. Am 3. Juli engt Dr. Will den Rahmen für Meinungsfreiheit mit Blick auf Israel sehr deutlich ein. Er empfiehlt (...) den Deutschen als „Nachkommen der Gaskammer-Wärter“ zur Sicherheit und Zukunft Israels „einfach mal die Klappe zu halten“.

Ich möchte mich von Dr. Will nicht als „Nachkomme der Gaskammer-Wärter“ auf Basis meiner Staatsbürgerschaft beschimpfen lassen und weise diese Aussage entschieden zurück. Mit Blick auf die deutsch-israelischen Beziehungen teile ich die Sichtweise des ehemaligen Bundespräsidenten Richard von Weizsäcker, (...) dass nachfolgende Generationen nicht verantwortlich für das sind, „was damals geschah. Aber sie sind verantwortlich für das, was in der Geschichte daraus wird.“ Im Rahmen dieser Verantwortung kann ich nicht akzeptieren, dass Dr. Will pauschal dazu auffordert, zur Sicherheit und Zukunft Israels „einfach mal die Klappe zu halten“. Nur in einem Dialog ist es möglich, die Entwicklung der Geschichte positiv zu beeinflussen. Dazu zählt auch, dass Israel sich Kritik an seiner Politik gefallen lassen muss. Genauso sind alle anderen Staaten (...) nicht frei von Kritik an der Ausgestaltung ihrer Politik.

(...) Ich würde mir von der NWZ (...) wünschen, ihre Leser nicht aufzufordern, „einfach mal die Klappe zu halten“. Es sollte eine stärkere politische Beteiligung motiviert werden, um bewusst unterschiedliche Meinungen einzufordern. Davon kann unsere Demokratie nur profitieren.

Stefan Willenborg Emstek

Die Analyse von Herrn Will ist keine. Er ist der „Oberlehrer“, der seiner Meinung nach die richtigen Schlüsse zieht und dabei einer differenzierten Kritik ganz allgemein den Stempel des Antisemitismus aufdrückt. Sein Rat, jetzt „einfach mal die Klappe halten“, ist anmaßend. Nicht er legt hier den Deutungsrahmen fest. Seine unverantwortlich verkürzte Geschichtsdarstellung wird eines Historikers, der er sein möchte, nicht gerecht. So verkommt die „Analyse“ eines komplexen Gegenstandes zur polternden Stammtischrhetorik.

Dennoch, Herr Will hat recht, einen Staat Palästina hat es nie gegeben. Am Kreuzungspunkt der Kontinente, Kulturen und Religionen ist Fremdherrschaft seit der Antike bis hin zum europäischen Imperialismus Realpolitik. Ein Blick in den Atlas reicht, um das zu erkennen. Eine Entlassung aus dieser Abhängigkeit in den 1940er Jahren galt nicht für das Mandatsgebiet Palästina. Wem also gehört das umstrittene Land und wie sollen sich Staaten unter dem Einfluss fortgesetzter imperialer Politik entwickeln? Ein historisches Erbe können Juden und Palästinenser beanspruchen. Akzeptanz des gegenseitigen Existenzrechts und gemeinsame Gestaltung der politischen Ordnung sind Bedingungen. Der Konflikt wird nicht militärisch gelöst, und wenn das Territorium für zwei Staaten zu klein ist, ist es für einen gemeinsamen Staat vielleicht groß genug. Das scheinbar Unmögliche zu versuchen, ist eine Alternative zu einem endlosen gewaltsamen Konflikt. Eine von religiösen Dogmen freie Zusammenarbeit im Bereich der Kultur, Wissenschaft, Bildung und des Gesundheitswesens wäre doch ein guter Anfang. Naiv? Wenn schon, Zukunft geht neue Wege, Herr Will hat sich verrannt.

Jürgen Steinfurth Oldenburg

Deutschland steht in Israels Schuld. Allein aus der Geschichte der Vareler Juden ist mir das bewusst.

Heute ist Israel von Teilen der arabischen Welt bedroht, insbesondere vom Iran. Mit dem Segen der jetzigen US-Regierung ist Israel als Atommacht militärisch stark. Gleichzeitig ist Israel die einzige Demokratie in Nahost und kennt als solche die Vielfalt der politischen Meinungen.

In der Analyse von Alexander Will fehlt diese Vielfalt – nicht nur in diesem Kommentar. Sein Hauptargument ist, dass die palästinensischen Regionen staatenlos seien und deshalb keine Annexion Israels vorläge. Das ist juristisches Geplänkel! Will verkennt, dass Annexionen für eine langfristige friedliche Koexistenz kontraproduktiv sein werden.

Suntke Reents Varel

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