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„Wir haben uns ergeben – Vechta, übernehmen Sie!“

20.06.2020
Betrifft: Momentaner Zustand der Stadt Cloppenburg im Vergleich zur Nachbarkreisstadt Vechta (diverse NWZ-Berichte)

Großflächig schallt es uns entgegen: OM – das neue wir! Wir sind das Oldenburger Münsterland, wir, Cloppenburg und Vechta – sowas von eins! Wer’s glaubt, wird nicht selig. Eher eingelullt. Denn das Gegenteil breitet sich immer weiter aus, unterschwellig und mit schönem Schein bislang zugekleistert. Schöne neue Rufbuswelt; gestärkte kulturelle Identität. Südoldenburg ist doch was Besonderes, wird suggeriert. Besser als Oldenburg, als Osnabrück und als Bremen sowieso. Da wache der Bischof aus Münster drüber und – natürlich in Vechta – der 1. Offizielle.

In Wirklichkeit waren die beiden Teile des Oldenburger Münsterlandes noch nie weiter voneinander entfernt als heute. Die Einheit war stets eine Fiktion und sie war nie wirklich da. Aber mit fiktiven Gemeinsamkeiten ging’s immer noch besser als völlig ohne. Man merkt es dann eben nicht so schnell. Millionen hartverdientes Geld sind ausgegeben worden, um den Sand zu bezahlen, der in die Augen Südoldenburger – genauer Kreis-Cloppenburger – gestreut wurde. Vor mehr als einem halben Jahrhundert hob man die „Marke“ Oldenburger Münsterland aus der Taufe. Das Zeichen war dem Brandzeichen der Oldenburger Pferdezucht entlehnt. Vorgestellt wurde es damals mit großem Tam-Tam – wo sonst – in Vechta, der Reiterstadt.

Cloppenburg gehörte nie wirklich dazu. Jetzt aber wird es endgültig abgehängt und merkt es nicht einmal. Über Jahrzehnte hat man es nicht geschafft, eine vernünftige Verkehrsverbindung zwischen Cloppenburg und Vechta hinzukriegen. Der schöne neue Rufbus braucht knapp zwei Stunden von Bahnhof zu Bahnhof mit mindestens einem Umstieg und hängt dabei den gesamten Teil des Oldenburger Münsterlandes nördlich von Cloppenburg ab. Die Filets gehen in die Reiterstadt.

Wir müssen uns geschlagen geben. Mit der Uni können wir sowieso nicht mithalten und dem studentischen Leben auch nicht. Beneidet haben unsere OM-Freunde aus Vechta Cloppenburg stets um die Fußgängerzone. Das hatte Vechta nicht zu bieten, und so strömten an den „langen“ Donnerstagen Groß und Klein von nebenan in Cloppenburgs gute Stube.

Doch wo ist sie – Willi Boning sei’s geklagt – gelandet? Eine ignorante Cloppenburger Stadtverwaltung hat dem Schmuckstück konsequent die Urbanität ausgetrieben. Was brauchen wir schon Kleinkunst oder Kleingastronomie? Da buchen wir samstags doch lieber holländische Gänse und rotblonde Holzschuhtänzer. Ja, die Vechtaer haben aber den Stoppelmarkt. Mit Jan und Libett und Fitzebohnen mit Prominenz am Montag.

Okay. Aber wir hatten das Cityfest. Hatten. Willi Boning sei es nochmals geklagt. Was ist aus dem „Man trifft sich wieder” geworden? Eine missgünstige Stadtverwaltung quetschte zunächst gnadenlos die Standbetreiber aus und ließ dabei der Inkompetenz und Ignoranz eines früheren 1. Stadtrates freien Lauf. Spirit, Spaß und Atmosphäre wurden so auf dem Altar des Kommerzes und Proporzes geopfert. Jetzt ist es laut und grell.

Ja, Vechta hat aber die Basketballer. Rasta in der Bundesliga. Stimmung pur. Man ist wer. Identität ernährt sich dabei von selbst. Und Cloppenburg? Die bundesweit erfolgreichen Fußballfrauen machte man zunächst einen Kopf kürzer, um sie dann beim Abstieg mit Krokodilstränen zu beweinen.

Und an der Spitze des Ballspielvereins (BVC) geben seit Jahren Wichtigtuer und andere Profilneurotiker die Sargnägel weiter, bis endlich die Pleite geschafft ist und nur noch der Staatsanwalt Interesse hat.

Ein altehrwürdiges Clemens-August-Gymnasium, dessen Wechsel von Schülern zu weiterführenden Anstalten bundesweit deutlich unterdurchschnittlich ist. Ein Museumsdorf, welches trotz einmaligen Kleinodes vernachlässigt wird. Und der Radschnellweg zwischen Cloppenburg und Vechta steht auch da, wo man ihn hinhaben will, in den Sternen.

Man wundert sich, wie der andere Teil des Oldenburger Münsterlandes den Cloppenburgern den Schneid abkauft und wie viel wir selbst dazutun. Statt sich auf die eigenen Stärken zu besinnen und zu kämpfen. Wo sind Landrat und Kreistag, wo die Fraktionen und Kommunen? Dann sollten wir doch wenigstens so ehrlich sein und das angebliche „Oldenburger Münsterland” gleich „Vechtaer Münsterland” nennen mit seinen Dependancen in Cloppenburg, Friesoythe und Löningen. Wir haben uns ergeben.

Vechta, übernehmen Sie!

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