„Wenn Menschen die gefühlte Wahrheit wichtiger ist – Sprache: ,Postfaktisch‘ ist das ,Wort des Jahres‘ 2016 – ,Brexit‘ an zweiter Stelle“, Kultur, 10. Dezember

„Flacherdler“, „Konspirologen“, „Honks“, „Chemies“, „Wirrwuzis“ (Tommy Krappweis): kurz die „Verlorenen“, vollgepumpt mit Irrsinn, ­infiziert mit der Angst, kreieren, von eigener Fantasie weggetragen, aberwitzige Verschwörungstheorien und Hoax, die von sogenannten „Illuminati“ oder Reptilien-Menschen inszeniert sein sollen!

Zur Lösung dieser Schein-Probleme kreieren sie simpelste postfaktische Lösungen. Das Ganze kann man „Bullshit-Bingo“ nennen. Ein solches „Bullshit-Bingo“ hat es schon immer gegeben, seit es Irre gibt! Zum Beispiel „die Apokalypsen“. „Alles schon dagewesen“, sagt Ben Akiba (50-130 n. Chr.).

Als Multiplikatoren und Sprachrohre dienen heute ­allerdings die sogenannten „sozialen Netzwerke“, wie zum Beispiel Facebook, ­Youtube, etc. Und zwar ­deshalb, weil den Irren hier niemand Einhalt gebieten kann/will. Diese „(a)sozialen Netzwerke“ sind allerdings neu!

„Horror-Komödie“ oder „Eure Dummheit kotzt mich an“?

Reinhold Wiehebrink Edewecht

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Ihre Definition zum Wort des Jahres war notwendig, denn aus dem Wort selbst kann man diese nicht ­ableiten. Was heißt denn „post“ ? Ich kenne zum ­Beispiel ­postnatal (nach der Geburt), postoperativ (nach der ­Operation) post mortem (nach dem Tod). Damit würde „post­faktisch“ übersetzt „nach­faktisch“ heißen – eine völlig sinnlose Kombination.

Sie erwähnen den Elfenbeinturm, der mächtig wächst und in dem die vollakademische Jury haust: Akademiker (zum Beispiel mit Großem Latinum) sind offenbar nicht dabei. Oder brauchen wir für Akademiker eine neue Definition, ausgerichtet an einem Faktum wie etwa Bildungsstand?

Jürgen Sternberg Oldenburg